Foodtruck, Buch, Strafbefehl

von Redaktion

Dopingfall Yannic Seidenberg ist geklärt – wie geht es für den 40-Jährigen weiter?

Auf dem Höhepunkt: Olympia-Silber 2018 in Pyeongchang. © dpa/Peter Kneffel

Letztes Spiel: 2022 in der Champions League. © IMAGO

München – Man hat sich immer wieder mal gefragt: Was macht eigentlich Yannic Seidenberg, dessen Eishockey-Karriere beim EHC München vor zwei Jahren durch eine positive Dopingprobe vom 19. Januar 2022 und das Aussprechen einer vierjährigen Sperre (im September 2022) unterbrochen oder angesichts seines Alters von damals schon 38 quasi beendet worden war? Zuletzt hörte man von einer beruflichen Neuorientierung, dem Einstieg ins Foodtruck-Business. Er tauchte allerdings weiterhin im Eishockey-Umfeld auf, etwa beim DEL-Halbfinale seiner ehemaligen Mannschaft gegen Bremerhaven im April. Oder kurz darauf beim WM-Vorbereitungsspiel Deutschland – Österreich in Garmisch-Partenkirchen. Er trug eine Red-Bull-Kappe. Und dann wurde Anfang August das Erscheinen seiner Autobiografie angekündigt: Sie kommt Mitte Oktober auf den Markt, trägt den relativ unverbindlichen Titel „Powerplay“ und soll erzählen vom „Kämpfen, Siegen und niemals Aufgeben“. Versprochen wird eine „ehrliche Autobiografie“.

Ob Seidenberg darin auch zugibt, was nun aktenkundig ist? Wie zuerst die ARD-Dopingredaktion berichtete, hat das Amtsgericht München einen Strafbefehl erlassen und Yannic Seidenberg ihn akzeptiert. Er entrichtet eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen – die Gesamtsumme soll im hohen vierstelligen Bereich liegen – und gilt als nicht vorbestraft. Seidenberg wird auch als Zeuge auftreten in einem Prozess gegen seinen Arzt aus Villingen-Schwenningen, der ihm eine Testosteron-Creme und ein Medikament mit dem Hormon DHEA, einem Wundermittel aus dem Anti-Aging-Sektor, verschrieben hatte. Allerdings: Nachgewiesen wurde durch Auswertung eines Messenger-Chats zwischen Spieler und Arzt: Yannic Seidenberg hatte aktiv verlangt nach den unterstützenden Mitteln. „In sämtlichen vorgenannten Fällen beabsichtigten Sie mit der Anwendung der Arzneimittel eine Leistungssteigerung bzw. schnellere Regeneration zu erreichen und sich damit in Wettbewerben des organisierten Sports einen Vorteil zu verschaffen“, zitiert die Sportschau aus dem Strafbefehl: „Eine medizinische Indikation lag in keinem der Fälle vor.“ Auf diese hatte Seidenberg sich zunächst berufen und gesagt, den Arzt angewiesen zu haben, ihm nichts zu geben, was auf der Dopingliste stehe.

Was noch aussteht, ist eine Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofs CAS. Seidenberg will eine Verkürzung seines Sperre erwirken. Mit ihr darf er keinen Job im Sport ausüben.
GÜNTER KLEIN

Artikel 2 von 11