Stargäste: Stabhochsprung-Star Armand Deplantis und der frühere Münchner Trainer Don Jackson. © kolbert-press
Schon bevor die Tore geöffnet wurden, hatten sich die Fans eingefunden. © Martin Hangen
Lichttechnik als Attraktion: Was die technischen Möglichkeiten betrifft, entspricht der SAP Garden, an dem vier Jahre gebaut wurde, natürlich den neuesten Standards. © kolbert-press
München – Am großen Tag für den Münchner Sport regnete es. Gegen 18 Uhr auf sehr unangenehme, durchnässende Weise. Die Menschen, die sich im Olympiapark eingefunden hatten, suchten einen Platz, um sich unterzustellen. Am neuesten Gebäude, dem SAP Garden, ging das. Um die Halle herum bildete sich eine Schlange von Menschen, die sich an die Wände schmiegten. Aber gut, die waren ja auch wegen dieser Sportstätte gekommen und schon lange vor Öffnung der Tore um 18.30 Uhr da. In den zwei Stunden bis zum ersten Bully zwischen dem EHC Red Bull München und seinem Promi-Gast Buffalo Sabres aus der NHL wollten sie alles erkunden. Wo steht welcher Kiosk, wo kriegt man sein Bier, wo ist der Platz, wie fühlt sich die Halle an? Wie wird die Show sein? Bricht das Münchner Eishockey, umgezogen von der 1967 erbauten Olympia-Eishalle am anderen Ende des Parks, wirklich in eine neue Ära auf?
Ab 20.36 Uhr, leicht verspätet, wurde Eishockey gespielt. Den Puck brachte ein Red-Bull-Nachwuchsrennfahrer mit dem Go-Kart und übergab ihn an den vom Getränkekonzern gesponserten Stabhochsprung-Weltrekordler Armand Duplantis, der den symbolischen ersten Einwurf mit Ex-EHC-Meistertrainer Don Jackson, begrüßt mit großem Beifall, vollführte. Und dann war Garden-Saison. Die Ehre, das geschichtsträchtige erste Tor zu erzielen, hatte in der 8. Minute für die Buffalo Sabres Sam Lafferty. Die Profis aus Nordamerika demonstrierten ihre Überlegenheit, sie gewannen gegen den viermaligen Deutschen Meister mit 5:0 (2:0, 2:0, 1:0). Torlos-Einstand im neuen Heim.
Zum ersten Spiel kamen natürlich auch Leute, die man im Alltag des SAP Garden eher selten antreffen wird. Wie Uli Hoeneß und Herbert Hainer, Ehrenpräsident und Präsident des FC Bayern, dessen Basketballer hier auch eine Heimstatt finden werden (zumindest bei Partien der EuroLeague). Als der neue EHC-Stadionsprecher Wolfgang Dittrich, Nachfolger von Stefan Schneider nach 34 Jahren und nun offiziell verabschiedet, in der Bayern-Loge vorstellig wurde, um die roten Granden zu sprechen, wurde in der Eishockey-Stehkurve beherzt gepfiffen. Dabei wäre der opulente Bau ohne den Mieter Basketball nicht möglich gewesen. Als Hoeneß und Hainer anhuben, um die Architektur und alle an der Realisierung des Projekts Beteiligten zu loben, setzte die Lautsprecheranlage aus. Sie funktionierte dann wieder bei den Interviews mit Oberbürgermeister Dieter Reiter und mit Oliver Mintzlaff, dem Chef der Red-Bull-Sportaktivitäten. Aber diese Gespräche bekamen noch gar nicht so viele Besucher mit, denn sie wandelten draußen durch die Gänge. Ihnen entging dann vor allem Firmenwerbung auf dem großen Videowürfel – und ein sich von der Hallendecke abseilendes Maskottchen.
Eishockey in München wird, das zeichnete sich ab, amerikanischer. Die Fans fanden an ihren Plätzen LED-Armbänder vor, die für die Lichtershow zentral gesteuert werden – wie zuletzt beim Coldplay-Konzert im Olympiastadion. Und weil die Gäste aus den USA kamen, wurde zeitweise auch auf Englisch angesagt: „Clap your hands for JJ Peterka.“ Der Münchner bei den Buffalo Sabres, er schoss das 5:0. Die Nationalhymnen wurden auch gespielt. Während des Spiels war es mangels spektakulärer EHC-Aktionen erstaunlich still.
Nun ist der Garden eröffnet. Bei aller Freude auf ihn verspüren die, die ihn bezogen haben, auch Wehmut. „Wir haben in der alten Halle gerne gespielt – und die Gegner sind nicht gerne zu uns gekommen“, blickt EHC-Spieler Maxi Kastner zurück.
GÜNTER KLEIN