ZUM TAGE

Seidenbergs Strategie war falsch

von Redaktion

Ewige Versuchung: Pillen ergänzen Training. © Imago

Die Sache ist nun also geklärt. Yannic Seidenberg, einer der renommiertesten deutschen Eishockeyspieler, hat in einer späten Phase seiner Karriere gedopt. Durch die Annahme eines Strafbefehls ist die bisherige Verteidigungs-Argumentation hinfällig: Es gab keine medizinische Notwendigkeit für die Einnahme der gefundenen Substanzen, und es war nicht so, dass der Arzt den Athleten nicht ausreichend beraten und auf Irrwege geführt hätte. Sondern klipp und klar: Yannic Seidenberg hat das verschrieben bekommen, wonach er verlangte – und er hat es eingenommen.

Das ist sehr schade, weil er einer war, dessen Klasse sich darin begründete, dass er das Spiel wahnsinnig gut verstand. Einer mit „Hockey-IQ“, der Stürmer und Verteidiger auf hohem Niveau spielen konnte. Ein Kraftwürfel, das auch. Er erzählte von der harten Arbeit in den Sommermonaten, die er oft in den USA bei seinem berühmteren Bruder Dennis in den USA verbrachte. Es gibt keinen Grund, an seinem Fleiß und seiner Hingabe zu zweifeln – doch Yannic Seidenberg hat eben auch auf anderem Weg nachgeholfen. Und das ist: Doping.

Seit exakt zwei Jahren schwelt der Fall. Dass jemand, der ja eine ziemlich tadellose Karriere hatte wie Yannic Seidenberg, erst einmal auf dem juristischem Weg darum kämpft, dass dieses öffentliche Bild, das ja immer auch ein Selbstbild ist, nicht zerbricht – menschlich nachvollziehbar. Seidenberg war der coole Typ aus dem deutschen Silber-Team von 2018, der die Handynummer von Ski-Starlet Lindsay Vonn hatte. Es geht im ersten Moment um die Grundlage der Existenz. Die richtige Strategie war es rückblickend nicht, und letztlich hat sie nur Anwaltskosten verursacht. Seidenberg hätte früher kooperieren und die Karten auf den Tisch legen müssen – denn je länger man leugnet, desto schwieriger wird es, etwaige Reue glaubwürdig erscheinen zu lassen. Das aber wird vonnöten sein, will er eine Zukunft in dem Sport haben, den er unzweifelhaft liebt.

Seidenberg ist 40 und noch zwei Jahre gesperrt, als Spieler werden wir ihn nicht mehr erleben. Als Trainer? Das war immer sein Ziel, und man könnte ihn sich vorstellen als einen, der viel Gutes zu vermitteln hat. Im Nachwuchsbereich, wo sich der Anstieg angeboten hätte, wird er aber für lange Zeit schwer zu vermitteln sein.

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