„Zur Hölle mit ihnen“

von Redaktion

Nach Basketball und Eishockey: Oakland verliert auch seinen Baseball-Club – Tom Hanks tobt

Teamfotograf Michael Zagaris küsst den Pitcher’s Mound © Vásquez/dpa

Das Oakland Coliseum ist Geschichte: Besitzer John Fisher zieht mit dem Baseball-Club nach Las Vegas und will dort ein neues Stadion bauen. © Shaw/AFP

Im letzten Spiel gelang Pitcher Mason Miller und Oakland ein 3:2-Sieg gegen die Texas Rangers. © Eakin Howard/AFP

Oakland – Immerhin, ein letztes Mal dröhnte „Celebration“ von Kool & The Gang durch das alte, längst nicht mehr ehrwürdige Coliseum. Wie immer nach einem Sieg der Athletics, der A’s. Doch zum Feiern war niemandem der 46.889 Anhänger zumute. Oakland, die angeblich hässliche, aber doch so stolze Schwester von San Francisco, ist nach dem letzten Spiel des geliebten Baseball-Klubs tatsächlich von allen großen Sportmannschaft verlassen.

„Ich werde wohl eine Träne verdrücken“, mutmaßte vor dem Abschied vor einer emotional bewegten Kulisse nicht zuletzt Tom Hanks. Der Oscar-Preisträger, ein Sohn der Stadt, hatte sich einst als Popcornverkäufer bei den Spielen der A’s ein bisschen Taschengeld verdient. Als die ruhmreiche Franchise vor 57 Jahren aus Kansas City nach Kalifornien umzog, „da ist“, sagte der 68 Jahre alte Schauspieler, „die Welt zu uns nach Oakland gekommen“.

Nun ist die Welt weg und das gedemütigte Oakland nach dem Wegzug der Basketballer der Golden State Warriors hinüber nach San Francisco (2019) und der Footballer der Raiders nach Las Vegas (2020) eine Diaspora. Der leidenschaftliche Hanks fasste dies in einem bissigen Kommentar zusammen, den er an die geldgierigen Klubbesitzer richtete, besonders aber an John Fisher, den milliardenschweren, aber zugleich auch geizigen Eigentümer der A’s: „Zur Hölle mit ihnen.“

Vor 18 Monaten hatte Fisher einen Deal platzen lassen, der den A’s ein neues Stadion in Oakland gebracht hätte. Wie so viele Besitzer von Franchises wollte er am liebsten nichts bezahlen. Die Stadt ging an die Schmerzgrenze, aber nicht darüber hinaus. Das kam Fisher gerade recht. Er verkündete den Umzug – ebenfalls nach Las Vegas. Dort will er bis 2028 ein Stadion bauen lassen, die Finanzierung aber ist nicht gesichert. Ob die A’s dort jemals spielen werden? Fraglich.

Und so beginnt nun eine Reise nach Absurdistan. Die A’s werden zunächst ins rund 135 Kilometer entfernte Sacramento umziehen und sich den dortigen Ballpark mit den River Cats teilen – einem Farmteam ausgerechnet des großen Rivalen San Francisco Giants, der in der kalifornischen Hauptstadt eine weitaus größere Anhängerschaft hat als die A’s. Das Stadion bietet nicht einmal 15.000 Plätze und ist untauglich für eine Mannschaft der Major League Baseball (MLB).

Die Anhänger der A’s, von Hanks nicht zu Unrecht als die „loyalsten“ Amerikas bezeichnet, hatten Fisher ihren Unmut spüren lassen. Auch während des letzten Spiels riefen sie ihm immer wieder zu: „Sell the Team“. Tatsächlich hatten dem Erben der Bekleidungskette Gap Angebote zur Übernahme vorgelegen – er ignorierte sie alle. So klang es wie Hohn, als Fisher in einem Abschiedsbrief betonte, er habe „alles versucht“, die A’s in Oakland zu halten.
SID

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