Abstimmung mit den Füßen

von Redaktion

Wer den nächsten München Marathon ausrichtet, ist wieder offener

Es werden wohl über 28.000 Starter. © IMAGO

Fällt der Rekord? Weigl mit William Kibor. © Hangen

München – Wie wird das Wetter? Eine große Frage des Marathons. Als William Kibor, Läufer aus Kenia, am Freitagmorgen in München seinem Flieger entstieg, hatte es sieben Grad, er fand das frisch. Am Sonntag wird es etwas wärmer sein, doch die Prognosen pendeln noch zwischen bewölkt und leicht regnerisch. Für die Spitze aber nicht schlecht. „Voriges Jahr hatten wir im Ziel 20 Grad“, erinnert sich Athletenmanager Michael Kraus an die sommerliche Anmutung des Münchner Marathon-Oktobersonntags 2023. „Ab Halbmarathon wirkt sich das negativ aus.“ Vor einem Jahr wurde die München-Bestzeit (Philimon Kipchumba in 2:07:28 Stunden von 2022) verfehlt, heuer könnte sie fallen. William Kibor ist einer derer, die vorneweg stürmen sollen, wenn um 9 Uhr im Olympiapark gestartet wird. „Unter 2:08 zu bleiben, das ist möglich“, sagte der 39-Jährige, der in Kenia auf 2400 Metern Höhe trainiert.

Bei den Frauen stehen seit zwei Jahren die 2:23:26 Stunden von Agnes Keino als Topleistung in der Ergebnisliste, 2024 rät Michael Kraus, das Augenmerk auf Asmare Assefa zu richten. Die 2:33:10, die die 26-jährige Äthiopierin bisher vorzuweisen hat, wirken unspektakulär, wurden aber im Libanon gelaufen, in der Hitze. Manager Kraus rechnet es hoch auf einen Lauf unter den Bedingungen des europäischen Herbsts und kommt auf „unter 2:26 Stunden – das ist das Ziel“.

„Es muss nicht immer Streckenrekord sein“, meint Cheforganistaor Gernot Weigl. Er freut sich über die Wirkung in der Breite, „wir haben eine Steigerung um 21 Prozent bei der Teilnehmerzahl“. Am Freitag war er für das gesamte Programm (mit Halbmarathon, Staffel, 10 km) bei 27374 angelangt und rechnete, „dass wir mit Nachmeldungen über 28000 kommen“. Von denen mehr als 6200 die Königsdistanz, die 42,195 Kilometer, angehen. In Anbetracht dieser Zahlen müsste Weigl (71) freudig den kommenden Jahren entgegenglühen – doch das tut er nicht: Seine München Marathon GmbH ist in einen Existenzkampf geraten, seit das Kreisverwaltungsreferat ihm am 13. August ihm einen negativen Bescheid zustellte: 2025 und 26 soll die dem Verein LG Stadtwerke verbundene Munich Athletic GmbH übernehmen, die statt einer großen Runde durch die Stadt zwei Halbmarathon-Runden als Konzept hat.

Mittlerweile ist der Wettbewerb um die Ausrichtung auf eine juristische Ebene gehoben. Weigl hat den auf Verwaltungs- und Straßenrecht spezialisierten Anwalt Maximilian Schmid eingeschaltet, der in zwei Gutachten die Pläne des Mitbewerbers zerpflückt. Sehr wuchtig liest sich das von Marcel Altenburg von der Universität Manchester, Experte für Crowd Science: Auf einem Zweirundenkurs würden bei km 5,4 die überrundenden Spitzenläufer mit 19 km/h auf die Langsamsten im Feld mit 7 km/h treffen – Folge: erhöhte Sturzgefahr. Rechtsanwalt Schmid sagt, man sei „im laufenden Verfahren“, die Munich Athletics GmbH habe „noch keinen Bescheid mit Rechtswirkung“. Momentan stehe kein Ausrichter für 2025 fest. In einer Umfrage der Bayerischen Laufzeitung sind 98 Prozent für Weigls Streckenführung. Weigl nennt das „eine Abstimmung mit den Füßen“. Er hofft wieder.
GÜNTER KLEIN

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