ZUM TAGE

Das Schweigen der Branche

von Redaktion

Kritisches zu Klopp?

Solch ein Aufregerthema wie das von Jürgen Klopps beruflicher Veränderung, die ihn in den Red-Bull-Konzern führt, hatte der Fußball schon lange nicht mehr. Wobei: Wurde sich wirklich aufgeregt? Also von denen, die an anderer Stelle Teil des Business sind, in den Bundesligavereinen, beim DFB? Von Borussia Dortmund vielleicht, das sich doch fühlen müsste wie ein Liebender, der nun endgültig zurückgestoßen wird? Von DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig womöglich, der sich immer gerne das aus Österreich gelenkte Konstrukt vorgenommen hat?

Die Institutionen des deutschen Fußballs sparen mit der kritischen Reflektion, die schon mal angesagt wäre, wenn ein führender Protagonist wie Klopp einen Weg geht, den man in seinem Fall für ausgeschlossen gehalten hatte, sie nehmen den größten denkbaren Stilbruch kommentarlos hin. Sie lassen nachweislich falsche Aussagen von Klopp durchgehen, dass ein Red-Bull-Verein aufgrund seiner Finanzierung aus einem Marketingbudget keine Wettbewerbsvorteile habe. Oder ergehen sich noch in Lobhudeleien wie Julian Nagelsmann, der zwar als Bundestrainer schon einige gesellschaftspolitisch kluge Sätze gesagt hat, aber die Verflechtungen des Fußballs nicht durchschaut oder sie wissentlich ignoriert.

Man muss sich schon fragen: Woher rühren das dröhnende Schweigen und das kritiklose Abnicken? Will jeder sich im Profifußball tätige Mensch die Option eines Jobs bei Red Bull offenhalten? Herrscht die Sorge, man könne das Gesamtprodukt Profifußball beschädigen, wenn man zeigt, dass es nicht in jeder Frage homogen ist? Oder ist das alles die Folge einer jahrzehntelangen Berieselung durch Dampfplauderer vom Schlage Reiner Calmunds, die noch dem abgeschlagenen Tabellenletzten bescheinigen, es würde großartige Arbeit geleistet und Widerspruch mit einem „Schluss, Aus, Mickey Mouse“ vom Tisch wischen.

Zur Entscheidung Jürgen Klopps gab es durchaus fundierte Betrachtungen – nur eben von den Fans. Und von einigen Medien. Beides Sparten, die im modernen Fußball zunehmend als lästig angesehen werden. Rund um die Causa Klopp kann man nur sagen: Gut, dass es noch eine kritische Öffentlichkeit gibt, die den Fußball auf das hinweist, was zu sehen er nicht mehr in der Lage oder zu feige ist. Guenter.Klein@ovb.net

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