Mit Kampf und Ungeheuer Undav

von Redaktion

Doppelpack vom VfB-Stürmer: Improvisierte DFB-Elf gewinnt 2:1 in Bosnien

Hitzige Momente: Dzeko traf gegen Debütant Nübel zum 2:1. Die DFB-Elf aber hielt den Vorsprung. © Charisius/dpa

Fast jeder Schuss saß: Doppeltorschütze Deniz Undav war gegen Bosnien-Herzegowina der Mann der Spiels. © Charisius/dpa

Zenica – Allein ein Blick in die Kabine des Bilino Polje-Stadion von Zenica reichte am Freitagabend, um zu wissen, was der Abend bringen könnte. Den Charme einer Schulumkleide hatte der Raum, in dem sich die deutsche Nationalmannschaft umziehen durfte – gestreifte Duschvorhänge inklusive. Die Elf von Julian Nagelsmann musste einige stressige Momente überstehen, ließ sich aber am Ende weder von den ungewohnten Umständen noch der hitzigen Stimmung auf und neben dem Platz aus der Ruhe bringen. Mit 2:1 (2:0) gewannen die DFB-Kicker ihre dritte Partie in der Nations League gegen Bosnien-Herzegowina – und festigten die optimale Position in der Gruppe 3 auf dem Weg ins neu eingeführte Viertelfinale.

Ein Doppelschlag von Deniz Undav (30./36.) brachte den Deutschen in der kampfbetonten Partie vor der Halbzeit Sicherheit, der Anschluss von Edin Dzeko (70.) brachte aber vor 13 500 Zuschauern die Emotionen zurück. Die DFB-Elf musste kämpfen, ließ die Zuschauer nach und nach verstummen. Mit sieben Punkten stehen Nagelsmanns Jungs weiter an der Tabellenspitze – am Montag soll es in München im Topspiel gegen die Niederlande so weitergehen.

Es war eine teilweise improvisierte Mannschaft, die Nagelsmann auf den Rasen schickte. „Wir wollten nicht extrem viel verändern, mussten es aber auf ein paar Positionen“, hatte der Bundestrainer vor der Partie gesagt. Vor Debütant Nübel standen Rückkehrer Antonio Rüdiger und Jonathan Tah, Maximilian Mittelstädt ersetzte den verletzten David Raum auf der linken Abwehrseite. Auf der Doppelsechs agierten Pascal Groß und Robert Andrich hinter Undav, Serge Gnabry und Florian Wirtz. Im Sturm durfte erstmals Kleindienst ran. Nagelsmann hatte „keine Sorge, dass wir schlecht spielen. Wir haben sehr gute Spieler nachnominiert.“ Dass sich Aleksandar Pavlovic beim Aufwärmen leicht verletzte, hatte auf die Startelf keine Auswirkung.

Der Münchner schaute von draußen zu, wie sich seine Teamkollegen ins Spiel kämpfen mussten. Nicht alles gelang gegen das Team von Sergej Barbarez, das früh zeigte, sich wehren zu wollen. Basic schoss gleich in der 4. Minute knapp vorbei, mit dem frühen Anlaufen der Bosnier hatten die deutschen Reihen lange Probleme. Weil auch der Ball noch nicht allzu gut lief, waren Chancen lange Mangelware. Der erste Kopfball von Kleindienst ging knapp drüber (9.), ging es mal schnell über die Außen, waren gute Ansätze erkennbar. Die erste echte Chance aber hatte Groß aus der Distanz (25.) – ein ziemliches Stück vorbei.

Allen voran Kleindienst und Undav hingen lange in der Luft, zu selten fanden Wirtz-Zuspiele ihren Weg. Das änderte sich nach einer halben Stunde. Der erste echte Schuss aufs Tor war nach einem Traum-Zuspiel von Andrich, einer super Ablage von Wirtz und Übersicht von von Undav drin (30.). Ein Kleindienst-Tor zählte nicht (32.), dafür war im Gegenzug ein Dank an Andrich angebracht, der Demorovic bei einem Konter störte – Latte. Keine Minute später flankte Mittelstädt scharf auf Undav, der per Stuttgarter Co-Produktion zum zweiten Mal einnetzte (36.). Das 2:0 zur Halbzeit war verdient.

Nach dem Seitenwechsel wollte der VfB-Spieler weitermachen., und auch der Rest war im Vorwärtsgang. Weil aber zwei Tore wegen knapper Abseitsstellung nicht zählten, wurde es plötzlich hitzig. Der Anschlusstreffer durch Dzeko fiel nach einer Ecke, die durchgewechselte Elf musste sich danach beweisen. Ein Foul an Gosens gab keinen Elfmeter, sondern Freistoß. Und dann war Schluss in diesem herrlichen Old-School-Stadion. Reifeprüfung bestanden.
H. RAIF, M. BONKE

Artikel 8 von 11