Verlieren verboten

von Redaktion

Bayern in Barcelona unter Zugzwang: „Harter Kampf“

Zumindest im Mannschaftstraining: Jamal Musiala. © FCB

Alle auf Lewandowski: Tore ihres Ex-Kollegen und damit eine mögliche Pleite sollten die Bayern vermeiden. © IMAGO

Barcelona – Um Himmels Willen, ein Maskottchen will Thomas Müller (noch) nicht sein. Und trotzdem war der 35-Jährige am gestrigen Dienstag auch in seiner Funktion als topfitter und einsatzfähiger Vollprofi so etwas wie der Glücksbringer, als der Tross des FC Bayern die Maschine AZ 8964 in Richtung Spanien bestieg. Auch wenn Müller von Statistiken nicht viel hält: Barcelona ist so etwas wie der absolute Lieblingsgegner des Altmeisters im Kader von Vincent Kompany. In seinen neun Champions League-Duellen mit den Katalanen war er an zehn Treffern beteiligt – und da ist es doch nur gut, dass Müller im Duell der beiden Schwergewichte an diesem Mittwoch (21 Uhr) aller Voraussicht nach in der Startelf stehen wird.

Zwar trat Jamal Musiala die Reise in den Süden mit an, vom „kleinen Tänzchen“ nach dem 4:0 gegen Stuttgart in der Kabine über zwei Tage Mannschaftstraining bis in die erste Formation wäre der Schritt nach überstandener Hüftprellung aber wohl doch zu schnell zu groß. „Wir werden schauen, für wie lang es reichen wird. Wir sind froh, dass er wieder dabei ist“, sagte Christoph Freund vor dem Abflug am Mittwochnachmittag, wohl wissend, dass egal ob mit oder ohne Musiala in der Startelf auf dem Rasen des Olympiastadions gelingen muss, was sich jeder vorgenommen hat und der Sportdirektor ausspricht: „Das große Ziel ist, drei Punkte mitzunehmen.“ Formuliert man es strenger, heißt es eher: Verlieren verboten! Denn sonst sieht es im neuen Vorrunden-Ranking nach drei Spieltagen recht düster aus.

Schon der zweite Trip der noch jungen Champions-League-Spielzeit fühlte sich komisch an, denn anders als nach Birmingham traten die Bayern ihn nach dem 0:1 bei Aston Villa nicht als Spitzenreiter, sondern Tabellen-15. an. Die Aussagekraft ist noch gering, dennoch wäre die dritte Auswärtspleite in der Königsklasse hintereinander ein echter Stimmungsdämpfer auf dem Weg zum „Finale dahoam 2.0“. Punkte in den vermeintlich großen Spielen sind in der neuen Konstellation besonders wichtig, zudem schwingen im Duell mit Barca auch viele kleine Prestige-Geschichten mit. Kompany trifft auf seinen Vor-Vor-Vorgänger Hansi Flick, Harry Kane auf Robert Lewandowski, der rechtzeitig fitte Lamine Yamal will Deutschland auch auf Clubfußball-Ebene ärgern. Eberl hat schon Recht, wenn er mit Blick auf die Partie von der „creme de la creme“ der Champions League spricht.

Dass die Partie vor knapp 48 000 und nicht vor doppelt so vielen im Camp Nou stattfindet, ist eine Randnotiz. Denn es ändert nichts daran, dass sich zwei offensiv ausgerichtete Teams auf Augenhöhe treffen. „Barcelona hat in letzter Zeit sehr viele Tore erzielt, wir aber auch: Wir freuen uns auf ein richtig gutes Fußballspiel. Es kann schon passieren, dass wir einige Tore sehen werden“, betonte Freund vor dem Spitzenspiel. Dass im Mittelfeld aufgrund der Schulterverletzung von Aleksandar Pavlovic in Joao Palhinha ein robuster Mann auflaufen wird, kann ein echter Vorteil sein. Freund: „Wir haben immer gesagt, dass es uns richtig gut tut, dass wir Joao im Sommer geholt haben.“

Dennoch muss es im Kollektiv gelingen, Lewandowski, Lamine Yamal und den unter Flick bärenstarken Raphinha zu stoppen. Dass die Brust seit dem Wochenende wieder richtig breit ist, soll dabei helfen. „Auch Stuttgart hat Qualität in der Offensive – aber die haben wir nicht nur Geltung kommen lassen“, sagte Eberl ganz bewusst. Der „besten Saisonleistung“ soll das große internationale Ausrufezeichen folgen. Die Geschichte übrigens spricht für die Gäste: In den vergangenen vier Duellen stand bei Barcelona die null, das bislang letzte Barca-Tor gegen die Münchner erzielte Luis Suárez beim 2:8 im Viertelfinale 2020. Da kann Thomas Müller nur lachen. Er traf damals doppelt – und bereitete einen Treffer vor.
HANNA RAIF, PHILIPP KESSLER

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