Der „Bessermacher“ legt los

von Redaktion

Frauen-Bundestrainer Wück startet Mission Neuanfang

Klare Anweisungen: Bundestrainer Christian Wück. © Anspach/dpa

Start in eine große Mission: Christian Wück will mit seinen Damen Europameister werden. © Anspach/dpa

Frankfurt am Main – Christian Wück winkte kurz den 2000 Fans zu, dann ließ er sein Spielerinnen zu den Klängen von Helene Fischer von der Leine: Bei strahlendem Sonnenschein und vor den Augen zahlreicher Zaungäste hat der neue Bundestrainer am Montag ein neues Kapitel in der Geschichte der deutschen Frauen-Nationalmannschaft aufgeschlagen. Im Mittelpunkt stand in Frankfurt erst einmal die gute Laune. „Es macht unheimlich viel Spaß, die ersten Ansprachen waren gut, wir haben schon jetzt viel gelacht“, berichtete Wück nach seiner ersten Trainingseinheit: „Ich war seit Juni nicht mehr auf dem Fußballplatz, habe nur Spiele angeschaut und Telefonate geführt. Es reicht. Ich bin froh, dass es endlich losgeht.“

Wück versammelte die Spielerinnen zunächst für eine kurze Ansprache, dann arbeitete das Team mit dem Ball. Aus den Boxen ertönte „Regenbogenfarben“ von Helene Fischer, dann „Lambada“ und „Samba de Janeiro“. „Es war von Anfang an überhaupt keine Barriere da“, sagte Wück. Der 51-Jährige hatte seine Schützlinge am Vortag zunächst im Frankfurter Teamhotel in Empfang genommen, nach dem Kennenlernen beim Mittagessen und der ersten Besprechung ging es dann auf den Rasen. Sieben Monate nach seiner Berufung startet der Nachfolger von Horst Hrubesch mit einer klaren Vision. „Wenn wir die einzelnen Spielerinnen weiterentwickeln und besser machen, dann werden wir auch eine gute Mannschaft haben, die dominant auftritt“, sagte der bisherige U-Nationalcoach im Männerbereich dem NDR.

Im Idealfall sieht man die Ansätze schon im ersten Härtetest. Am Freitag (20.30 Uhr/ARD) tritt die DFB-Auswahl im Länderspiel-Kracher zur Neuauflage des EM-Finales 2022 gegen Europameister England in Wembley an. Drei Tage später (18.10 Uhr/ZDF) wird Alexandra Popp ihr Abschiedsspiel in Duisburg gegen Australien bestreiten. Vor der langjährigen Kapitänin waren nach Olympiabronze in Frankreich bereits Torhüterin Merle Frohms und Abwehrchefin Marina Hegering aus dem Nationalteam zurückgetreten. Ein enormer Aderlass an Erfahrung – in den acht Monaten bis zur EM in der Schweiz muss der Nachfolger von Horst Hrubesch also ein neues Gefüge und Führungskräfte aufbauen. „Es werden andere Spielerinnen in die Rollen reinschlüpfen und ich bin guter Dinge“, betonte Wück, „dass wir die Rücktritte nicht nur auffangen, sondern eine Mannschaft formen können, die die Leute begeistert.“ Bei allem Optimismus formulierte der frühere Bundesliga-Profi, der die letzten Monate zur akribischen Vorbereitung mit Sichtungen im In- und Ausland nutzte, zunächst aber kein konkretes Turnierziel.

„Natürlich könnte ich sagen: Wir wollen Europameister werden. Das Ziel ist aber, dass wir es im kommenden Dreivierteljahr als Trainerteam schaffen, dass die Spielerinnen davon überzeugt sind“, sagte Wück: „Und wenn alle zu 100 Prozent daran glauben, dass wir es schaffen können, dann sind wir auf einem guten Weg.“
SID

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