Dortmund schwimmt

von Redaktion

BVB-Krise eskaliert in Augsburg: Nuri Sahins Job ist in Gefahr

Alexis Claude-Maurice zieht ab, und alle Dortmunder schauen zu, wie Augsburg sich zurück ins Spiel bringt. © dpa/Tom Weller

Augsburg – Julian Brandt begab sich in seiner Analyse des Fußballspiels, das seine Dortmunder Kollegen und er beim FC Augsburg 1:2 verloren hatten, in eine Sportart, die fernab großer Stadien stattfindet: nämlich in einem Becken mit Wasser. „Wir müssen synchron schwimmen“, sagte der Nationalspieler, „aber nach dem 1:2 war jeder mit sich selbst beschäftigt.“

Beim Synchronschwimmen hat man den Kopf meist unter Wasser, man muss gut die Luft anhalten können – und das beschreibt die Situation, in die der BVB geraten ist, treffend: Er steckt in einer Krise, auf das 2:5 in der Champions League bei Real Madrid folgte in der Bundesliga wenig Erbauliches, trotz einer frühen Führung durch Donyell Malen (4. Minute) und 77 Prozent Ballbesitzanteil ließen sich die Schwarz-Gelben vor allem vom Augsburger Startelf-Debütanten Alexis Claude-Maurice auseinandernehmen. Sie haben mit Waldemar Anton, Marcel Sabitzer und dem ausgelaugten Julian Ryerson drei neue Verletzte (zu fünf vorhandenen) dazubekommen. „Wir marschieren gemeinsam weiter“, sagt Sportdirektor Sebastian Kehl; er hofft, dass der Rest von einem Team, das am Dienstag im Pokal in Wolfsburg und am kommenden Samstag gegen die in der Bundesliga enteilten Leipziger antreten muss, den Kopf aus dem Wasser bekommt.

Als die Dortmunder am Samstag in Augsburg vor die Kurve mit ihren mitgereisten Fans traten, wurden sie ausgepfiffen. „Das ist unser Schicksal“, sagt der junge Trainer Nuri Sahin, der trotz der Treuebekundungen in eine Schicksalswoche geht. Er wirkte verzweifelt, als fünf seiner Spieler in der 25. Minute den 26-jährigen Franzosen Alexis Claude-Maurice durchs Mittelfeld dribbeln ließen und ihn nicht am präzisen Fernschuss hinderten, bei dem BVB-Torhüter Gregor Kobel auch noch ungünstig stand. Fünf Minuten nach Beginn der zweiten Halbzeit legte der gerade eingewechselte Emre Can den Ball tollpatschig vor den Fuß von Claude-Maurice. Sahin sprach von „einem unglaublichen Gegentor und einem Wahnsinns-Gegentor“. Dem FCA wurde sogar noch ein klarer Elfmeter verweigert durch Schiedsrichter Wolfgang Haslberger, der als Vierter Offizieller eingeteilt war, aber die Spielleitung übernehmen musste, weil die Wade von Tobias Welz beim Aufwärmen zugemacht hatte. „Den VAR verstehe ich nicht mehr“, ereiferte sich Augsburgs Trainer Jess Thorup, der ansonsten voll zufrieden sein konnte. Seine Mannschaft lief sechs Kilometer mehr als Dortmund und nahm die in der Trainingswoche erteilten Lektionen zu den Themen „Mindset, Mentalität, Verantwortung“ an.

Effektiv war der FCA auch. Vor allem ist der schmächtige Claude-Maurice (Abwehrmann Keven Schlotterbeck: „Gefühllt 65 Kilo“) eine Bereicherung. In bislang 160 Bundesliga-Minuten kommt er auf drei Tore und eine Vorlage, er entschied als Joker das Spiel gegen Mönchengladbach und nun als Starter die Partie gegen Dortmund. Eine Option war er erst ab dem sechsten Spieltag, nachdem der FCA ihn am 30. August ablösefrei verpflichtet hatte. Jess Thorup: „Alexis war drei Monate ohne Fußball, ich musste auf den richtigen Moment warten, ihn zu bringen.“
GÜNTER KLEIN

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