Münchner Stehaufmännchen

von Redaktion

EHC-Ass Andi Eder spielt groß auf und bangt um seinen Bruder Tobi

Eishockey-Brüder aus Miesbach: Andi und Tobias Eder.

Besser als je zuvor: Andi Eder erzielte am Dienstag das 1:0 für die Münchner. © IMAGO

München – Medienauftritte will Andi Eder derzeit nicht absolvieren. Weil er weiß, dass die Fragen kommen müssen, kommen werden: Wie er sein Leben und seine Karriere gerade managt in einer schwierigen persönlichen Situation: Bei seinem jüngeren Bruder Tobias, der mit den Eisbären Berlin vorige Saison Deutscher Meister geworden war, hatten die Ärzte im Sommer einen bösartigen Tumor entdeckt. Die Eishockeyszene zeigt ihr Mitgefühl immer wieder und vielerorts in kleinen Mutmach-Aktionen – doch am Ende steht der Kampf eines Patienten und seiner Angehörigen gegen eine Krankheit, mit der ein junger Hochleistungssportler nicht rechnet.

Der EHC Red Bull München hatte nach Bekanntwerden der Diagnose Andi Eder angeboten, die familiären Angelegenheiten über die beruflichen zu stellen und mal nicht zu trainieren, nicht zu spielen. Doch Andi Eder (28) hat davon keinen Gebrauch gemacht. Er spielt Eishockey, und er tut das so gut wie lange nicht. Vor allem um Klassen besser als in der Saison 2023/24, in der er mit sich haderte, wohl auch mit dem damaligen Trainer Toni Söderholm.

Er ließ sich im Januar verleihen in die Schweiz zum EV Zug, dort spielte er die Saison zu Ende. Dass er überhaupt nach München zurückkehrte, war trotz laufenden Vertrags eine Überraschung. Es hatte geheißen, er wolle zu Tobi nach Berlin wechseln; das zerschlug sich aber.

Toni Söderholm war angetan davon, wie Andi Eder den Neustart anging. Einen „völlig neuen Menschen“ habe er angetroffen, sagte der Finne, der vor knapp drei Wochen in München gehen musste. Eder hatte allerdings auch schon unter ihm ordentlich gespielt, ärgerlich waren lediglich die zwei Spiele Sperre durch die Liga wegen eines Fouls, unter Max Kaltenhauser steigerte er sich noch.

Nach zehn Spielen steht er bei zwölf Scorerpunkten, hochgerechnet auf die ganze Saison würde er auf 59 kommen – das wäre Rekord. Sein Tor zum 1:0 am Dienstag war der Auftakt zum 5:4 (2:0, 0:0, 3:4)-Sieg gegen die Adler Mannheim. Man sah ihn auf der Bank befreit lachen und scherzen.

Die Mannschaft erlebt ihn auch im Alltag gut gelaunt. „Er hat durch die persönliche Situation sein Packerl zu tragen“, weiß Kaltenhauser, hat aber den Eindruck gewonnen, dass die Stunden in der Kabine, die Normalität des Berufslebens „sein Fangnetz sind. Wir tun ihm gut, er tut uns gut. Er ist ein genialer Spieler. Andi gibt der Gruppe viel und scheut sich nicht, ihr voranzugehen“.

Kapitän Patrick Hager will, wenn er über den Kollegen mit dem „offensiven Potenzial“ spricht, sich nicht auf einen Vergleich letzte Saison/diese Saison einlassen. „In verschiedenen Saisonen kann man verschiedene Rollen haben.“ Und dann lese sich die Scorerbilanz halt anders.

Die Bilanz des EHC München liest sich nun auch wieder freundlicher. Als Tabellendritter geht es ins nächste Match, an Allerheiligen (14 Uhr) gegen die Kölner Haie, die bereits zum zweiten Mal im SAP Garden vorstellig werden. Das erste Spiel war wild, München verlor es 5:6. Aber Maxi Kastner, Siegtorschütze gegen Mannheim, findet: „Wir haben unseren Rhythmus hier jetzt gefunden.“
GÜNTER KLEIN

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