Publikumsliebling Marco Hiller wird sich schon bald wieder außerhalb des Trainingsplatzes beweisen können, steht in Sandhausen wohl im Löwen-Tor. © Wagner/Imago
München – Eine großflächige Analyse kündigte Löwen-Coach Argirios Giannikis am Sonntag nach der bitteren 1:5-Klatsche in Cottbus an. „Wir werden jeden Stein umdrehen“, kündigte der stark in der Kritik stehende Deutsch-Grieche an. Nun scheint der Trainer vor dem – für seine eigene Zukunft möglicherweise richtungsweisenden – Auswärtsspiel in Sandhausen (Samstag, 14.03 Uhr, BR und MagentaSport live) einen Lösungsansatz gefunden zu haben: Nach unseren Informationen plant Giannikis einen Wechsel auf der Torhüterposition. Der bisherige Stammtorwart René Vollath muss demnach am Hartwald auf die Bank, Marco Hiller steht erstmals in dieser Drittliga-Spielzeit zwischen den Pfosten.
Eine offizielle Meldung des Vereins stand am Mittwochvormittag, als die Löwen die Vorbereitung auf die knifflige Aufgabe beim Tabellenzweiten aufnahmen – mit dem wiedergenesen Julian Guttau –, noch aus. Hiller und Vollath kamen gegen 10.30 Uhr getrennt voneinander auf den Einserplatz an der Grünwalder Straße 114. Während Hiller zunächst mit den anderen Feldspielern um Kapitän Jesper Verlaat zusammenstand, war Vollath in ein Gespräch mit Torwarttrainer Harald Huber vertieft. Ob es dabei um die Degradierung des 34-jährigen Stammkeepers ging? Im Laufe der Einheit lief das Torhüter-Training normal ab, zwischen Hiller und Vollath herrschte die gewohnte emotionale Distanz – in der Körpersprache der beiden war nichts von einer derart einschneidenden Entscheidung zu sehen. Auch bei der anschließenden Spielform wirkte alles wie immer: Vollath emotional und laut, Hiller eher leiser und zurückhaltender.
Am heutigen Donnerstag wird sich Giannikis den Medien in der Spieltags-Pressekonferenz stellen. Dann wird der 44-Jährige erklären, wieso er nach dem 12. Spieltag eine Entscheidung pro Hiller gefällt hat. Blickt man auf die nackten Zahlen, ist es durchaus verständlich, dass Giannikis etwas an seinem defensiven Personal verändern möchte. 24 Gegentore in zwölf Partien sind einfach zu viel. Sieht man sich die Treffer allerdings genauer an, trifft Vollath beinahe ausnahmslos keine Schuld. Vielmehr strahlte die Defensive im Verbund keinerlei Sicherheit aus, besonders dramatisch zu beobachten in Cottbus.
Besser soll es also nun mit Hiller laufen. Der Gröbenzeller ist bei den Fans beliebt, ein Löwen-Urgestein – seit 2008 im Verein. Giannikis wurde in den ersten Wochen der Saison nicht müde zu betonen, dass Hiller nach wie vor eine wichtige Rolle in der Kabine einnimmt, der Keeper sitzt auch weiterhin im Mannschaftsrat. Sein Können konnte Hiller, auf der unbestritten Linie einer der besten Keeper der Liga, zuletzt am 10. Oktober unter Beweis stellen, hielt beim 3:1-Testspielsieg in Fürth alles, was er halten konnte. Hillers letztes Drittligaspiel war übrigens der 1:0-Auswärtserfolg bei RW Essen Anfang Mai. Ein gutes Omen für Samstag?
MARCO BLANCO UCLES