Bereit für Benfica

von Redaktion

Baller-Bayern gehen als „Spitzenmannschaft“ ins „Finale“

Nicht zu bremsen: Coman traf schon wieder. © IMAGO

Es stimmt von vorne bis hinten: Goalgetter Kane und Abwehrboss Kim strahlen sich an. Beim 3:0 gegen Union ließen die Bayern keine Zweifel am Sieg aufkommen. © IMAGO

München – Die kleine Rache von Union Berlin folgte am Samstagnachmittag nach Schlusspfiff. Wann immer ein Protagonist des FC Bayern nach dem souveränen und hochverdienten 3:0 (2:0) zu einem Statement ansetzte, wurden Container aus der Berliner Kabine zum Bus geschoben – und Weitersprechen war einfach zwecklos. Ob es um Doppeltorschütze Harry Kane ging, um die überragende Offensive, um den Hurra-Fußball von Vincent Kompany oder einfach generell um den dritten Zu-Null-Sieg binnen einer Woche: Die Worte aller Bayern wurden von der Geräuschkulisse jäh unterbrochen. Als habe es den Gästen schon gereicht, sich auf dem Feld „wie beim Zahnarzt“ gefühlt zu haben (Horst Heldt). Die euphorischen Aussagen wollten sie wohl nicht auch noch hören.

Es half allerdings nichts. Wie in den 90 Minuten zuvor nämlich nutzte der Tabellenführer auch in der Analyse die Lücken für seine Botschaften. Max Eberl etwa hatte nicht nur die Saisontreffer Nummer zehn und elf von Harry Kane (15., Elfmeter/51.) und mal wieder ein Tor von Kingsley Coman (43.) gesehen, sondern sagte mit Blick auf die zweite Halbzeit: „Wir haben gespielt wie eine Spitzenmannschaft.“ Thomas Müller schickte schmunzelnd hinterher: „Alles gut beim FC Bayern.“ Und Kane sprach mit Blick auf die erste drei Spiele währende Zu-Null-Serie seit 2020 von der „richtigen Reaktion“ auf die herbe Barca-Pleite vor eineinhalb Wochen. Was das für das Champions-League-Ligaspiel am Mittwoch (21 Uhr) gegen Benfica Lissabon bedeutet? Na klar: „Mit dieser Mentalität können wir jeden schlagen.“ Oder anders: Die Baller-Bayern sind bereit.

5:0, 4:0, 3:0: Das sind die Ergebnisse der abgelaufenen Woche – und in der Tat hätte es schlechtere Vorbereitungen geben können für den Tag, an dem die Kompany-Elf nun früher unter Zugzwang ist, als jeder erwartet hätte. Auf Platz 23 stehen die Bayern nach zwei Pleiten in der Königsklassen-Liga gegen Aston Villa und Barcelona, „der Druck ist da“, gab Kane zu. Eberl wollte mit Blick auf den noch unberechenbaren neuen Modus noch nicht von einer Siegpflicht in jedem der noch ausstehenden fünf Partien auf dem europäischen Parkett sprechen, aber der Sportvorstand sagte: „Wir wollen gewinnen, um uns weiter in eine gute Position zu bringen.“ Am deutlichsten wurde Joao Palhinha: „Das ist ein Finale für uns.“ Und dass es womöglich schwieriger werden wird als gegen Bochum, Mainz und Union, ist jedem bewusst.

In der Königsklasse ist Lissabon immerhin zehn Plätze vor den Bayern zu finden. Weil es aber „nur um uns“ geht (Kane), ist die Tabelle eine Randnotiz. Gründe für Optimismus hat spätestens der Auftritt gegen Union zur Genüge hervorgebracht. „Es kann keine zwei Meinungen geben, dass wir uns auf einem guten Weg befinden“, sagte Müller und ergänzte: „Es fühlt sich als Team gerade sehr gut an.“ Damit blickte der 35-Jährige auf die deutlich stabiler wirkende Defensive, vor allem aber auf die Angriffs-Abteilung der Bayern, der der gesunde Konkurrenzkampf sichtlich guttut. Kane ist unantastbar, auf den Flügeln aber will sich jeder beweisen. Bestes Beispiel ist Coman, der zum dritten Mal hintereinander traf. Eberl: „King trägt seinen Teil dazu bei, dass wir so erfolgreich spielen.“

Spätestens seit Samstag will über die „eine schlechte Halbzeit der Saison“ in Barcelona (Eberl) übrigens niemand mehr sprechen. Aber den Satz „kein Erfolg fällt vom Himmel“ platzierte der Sportchef dennoch vorsichtshalber nochmal. Ein Glück, dass es in dieser Sekunde gerade ruhig war. Die Botschaft dürfte überall angekommen sein.
HANNA RAIF, MANUEL BONKE

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