EHC findet eine alte Tugend wieder

von Redaktion

Münchner drehen das Spiel in Frankfurt und gewinnen im Penaltyschießen

München in Blau? Sonderaktion der DEL zu „50 Jahre Krebshilfe“. Wurde beim Aufwärmen getragen. © Red Bull/City-Press

Frankfurt/München – 0:1 hinten, 1:3 und 2:4 – und dennoch kam der EHC Red Bull München, bevor die DEL in knapp zwei Wochen Länderspielpause geht, in Frankfurt noch zu zwei Punkten. Das Team von Trainer Max Kaltenhauser gewann 5:4 nach Penaltyschießen. Die Helden: Tormann Mathias Niederberger, der alle drei gegnerischen Versuche meisterte, und Andreas Eder, der für den EHC entscheidend verwandelte. Trainer Max Kaltenhauser nannte den Sieg „wichtig für den Kopf“. In den nächsten Tagen wird sich wohl entscheiden, ob die Interims- zur festen Lösung auf der Münchner Bank wird. „Mir macht‘s Spaß“, sagte er, „aber ich bin ein Teamplayer und nicht böse, wenn jemand auf dem Markt ist, von dem man sagt, er hilft uns mehr.“

Zum dritten Mal in dieser Saison trafen Frankfurt und München aufeinander. Bei einem Turnier in der Schweiz hatten die Hessen gewonnen, in der Liga dann der EHC, 3:2 am Auftaktwochenende. Das Match am Sonntag stand aber unter einem anderen Vorzeichen als die bisherigen Spiele: Im Tor der Löwen stand der vor einigen Wochen noch verletzt ausgefallene Jussi Olkinuora. Finne, 34 Jahre alt, Olympiasieger, zweimaliger Weltmeister, mit Genf gewann er auch noch die Champions Hockey League. Er gilt als Königstransfer in der gesamten Deutschen Eishockey Liga. Nun lernten ihn die Münchner kennen. Sie sorgten dafür, dass er Beschäftigung hatte.

Das erste Drittel ging mit 1:0 an Frankfurt. Markus Schweiger erzielte in der 8. Minute die Führung für die Löwen. Kollege Cameron Brace hatte im Powerplay abgezogen. „Ich habe einfach den Schläger reingehalten“, sagte Schweiger über seine geglückte Abfälsch-Aktion. Obwohl sein Team offensiv agierte, stellte er mit Blick nach hinten zum berühmten Torhüter fest: „Jussi hält uns brutal im Spiel.“

„Das erste Drittel war nichts von uns, Frankfurt war überall einen Schritt schneller“, analysierte EHC-Stürmer Yasin Ehliz. Der zweite Durchgang ging in Sachen Dominanz klar an München (was sich in einem Verhältnis von 18:5 Schüssen äußerte). Die Frankfurter begingen zu viele Fouls und mussten mit einem Mann weniger das 1:1 durch Chris DeSousa hinnehmen (25.). Zu dieser Überzahlsituation aus EHC-Sicht kam es, weil Tobias Rieder bei einem Konter gefoult wurde. Der ehemalige NHL-Stürmer knallte aufs Eis, wirkte benommen. Andi Eder und Maxi Kastner führten ihn schließlich vom Eis Richtung Kabine.

Mitten in Münchens Drangphase setzte Frankfurt sein zweites Tor (nach drei Sekunden Überzahl). Ärgerlich für den EHC – aber: „Es gibt Schlimmeres, als in Frankfurt 1:2 zurückzuliegen“, sagte Yasin Ehliz. Stimmt, 1:3. Das fing sich der EHC nach 36 Sekunden des Schlussdrittels ein, kam aber durch einen 30-Meter-Überraschungsschlenzer von Adam Brooks wieder ran. Als man sich dem Ausgleich näherte, passierte wieder ein Missgeschick. Einen schlechten Pass von DeSousa auf Blum fing Cedric Schiemenz ab und konterte zum 4:2 (51.). Doch München fand zu einer alten Tugend: An sich in jeder Situation zu glauben: Ehliz (54.) und Eder (59.) im Sechs-gegen-fünf-Spiel stellten auf 4:4. Und nach einer wilden Verlängerung ging es dank Niederbergers Paraden ins Penaltyschießen.
GÜNTER KLEIN

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