Sinsheim – Am späten Samstagnachmittag fiel der Blick auf das anstehende Wochenende gar nicht mehr so schwer. Dann nämlich schlagen die Bayern am Millerntor auf, und zwar mit einer Bilanz von 12:0 Toren und neun Punkten aus den vergangenen drei Bundesligaspielen. Alexander Blessin aber sagte: „Bayern soll zu uns kommen, die Atmosphäre vom Millerntor genießen. Und dann schauen wir, was rauskommt.“
So spricht ein selbstbewusster Aufsteiger. Die Brust des Trainers vom FC St. Pauli war breit nach dem 2:0 (1:0)-Erfolg bei der TSG Hoffenheim, wie auch die seiner Spieler. Natürlich. Der Sieg nämlich bedeutete nicht nur den zweiten Saisonerfolg, durch den Dreier verließen die Hamburger auch den Relegationsplatz 16, den sie auf kurzem Weg an die Kraichgauer weiterreichten. „Maximal glücklich“ war Blessin deshalb: „Es ist erlösend, wenn du dich nach so viel harter Arbeit endlich auch belohnst.“
Um den verdienten Lohn, so die Sicht des Coaches, hatten sich die Hamburger in den Spielen zuvor oft selbst gebracht. Sieben der insgesamt neun Bundesligapartien seien „richtig gut“ gewesen, resümierte Blessin, trotzdem lautete die Bilanz vor dem Kellerduell in Sinsheim: Fünf Punkte, fünf Tore, die schwächste Offensive der Liga. Im Kraichgau stemmte sich der Kiezclub früh gegen die Torflaute und traf durch Oladapo Afolayan (20.). Eine zu diesem Zeitpunkt zwar glückliche Führung, doch Hoffenheim zeigte sich nachhaltig beeindruckt. Der Rest war konzentrierte Defensivarbeit, gekrönt vom 2:0 durch Andreas Albers in der dritten Minute der Nachspielzeit.
„Es ist extrem wichtig, dass wir nicht nur gut spielen, sondern auch gewinnen können“, freute sich Mittelfeldspieler Carlo Boukhalfa: „Jetzt können wir das Spiel gegen Bayern natürlich genießen.“ Die Partie freilich bleibt ein Bonusspiel – die Pflicht aber ist fürs erste ja erledigt. Die Abstiegsränge hat St. Pauli vorerst verlassen, und dafür die nun punktgleichen Hoffenheimer weiter in die Bredouille gebracht. Die TSG hatte zuletzt drei Ligaspiele in Folge nicht verloren, gegen St. Pauli verpassten die Kraichgauer eine „riesige Chance, uns zu befreien und unseren Trend fortzusetzen“, wie Trainer Pellegrino Matarazzo enttäuscht konstatierte. Über den Abstiegskampf wollte der schon vor Wochen angezählte Coach nicht sprechen, aber darüber, „dass wir acht Punkte nach neun Spielen haben. Das ist viel zu wenig.“
Während sich ein aufstrebendes St. Pauli nun also auf die Bayern freut, ist der Druck beim Tabellennachbarn aus Hoffenheim wohl so groß wie noch nie in dieser Saison.
SID