Um dabei zuzusehen, wie ein Gigant immer tiefer fällt, lohnt sich ein Blick nach England. Während Ruud van Nistelrooy als Interimstrainer versucht, mit Manchester United nicht noch weiter in den Tiefen der Premier-League-Tabelle zu versinken, macht sich Ruben Amorim schon Gedanken, wie er als neuer Trainer ab Mitte November das Ruder ganz rumreißen kann. Der Mann, der aktuell noch bei Sporting Lissabon an der Seitenlinie steht, tritt eine Aufgabe an, die vor ihm seit dem Abgang von Alex Ferguson schon neun andere auf sich nehmen wollten. Gescheitert sind sie alle, manche früher, manche später. Und beim Blick auf die einstige Weltmarke muss man sich schon fragen: Liegt der Fehler im System?
Alle Jahre wieder gibt es rund um den Herbsteinbruch dieselben Nachrichten. Nein, nicht der ManU-Fehlstart ist gemeint, sondern die erste Entlassungswelle, die die Fußballbranche genauso verlässlich einholt wie das Laub die Natur. In der Bundesliga hat es Bochums Peter Zeidler als Ersten erwischt; aber dass nicht jeder vorschnelle Wechsel die richtige Entscheidung ist, zeigt auch dieses Beispiel. 2:12 Tore aus zwei Spielen ist die Bilanz von Nachfolger und (Interims-)Coach Markus Feldhoff. Eine schlechtere Bewerbung hätte man kaum abgeben können, denn: dramatischer wäre es unter Zeidler auch nicht gelaufen.
In Bochum steckt man also wieder die Schädel zusammen, und auch in den Hinterstübchen anderer Vereine wurden schon Notfallpläne geschmiedet. In Dortmund und ein paar Etagen weiter unten beim TSV 1860 war etwa ordentlich Druck drauf, ehe Nuri Sahin und Argirios Giannikis den Kopf am Wochenende mit zwei Statement-Siegen aus der Schlinge gezogen haben. Für den Moment kehrt so ein wenig Ruhe ein, aber Anhänger beider Clubs wissen aus Erfahrung, dass ihr Herzensverein nicht unbedingt für einen klaren Plan oder gar Kontinuität steht.
Vielleicht sollte man in der ersten trainerkritischen Zeit daher lieber auf die schauen, die sich nicht vorschnell von Ergebnissen leiten lassen. Als bestes Beispiel taugt da Eintracht Frankfurt, dessen Verantwortliche trotz Rückschlägen im Frühjahr demonstrativ an Dino Toppmöller festgehalten haben. Der Dank folgt jetzt, auf Platz drei, nur sechs Punkte hinter den Bayern. Dort übrigens hat man seit Jupp Heynckes 2013 auch acht Trainer beschäftigt. Aber man scheint gewillt, aus Fehlern zu lernen. Manchester United taugt als mahnendes Beispiel ganz gut.