In den Deutschland Cup startete die Auswahl um Sandra Abstreiter (r.) überzeugend. © IMAGO
Landshut – Sandra Abstreiter muss nicht lange überlegen. „Der allercoolste Moment? Unser erstes Heimspiel“, sagt die Eishockey-Nationalspielerin über ihr erstes Profijahr in Kanada. „Als wir aufs Eis gegangen sind, hat jede erstmal zwei Runden gedreht und nur auf die Zuschauerränge gestarrt. So viele Leute, so viele kleine Mädels waren da, um uns anzufeuern.“
Spiele vor 8000 Fans
Die Torhüterin war mittendrin, als die neue PWHL erstmals Frauen-Eishockey in Vollzeit ermöglichte. Oder, wie Abstreiter es formuliert, als „der Traum, von dem ich dachte, dass er nie in Erfüllung geht, Teil der Realität“ wurde. Spiele daheim in Ottawa vor 8000 Fans, auswärts in NHL-Arenen mit „ständig neuen Zuschauerrekorden“, volle Konzentration auf den Sport, keine Gedanken darüber, „wie ich mein Leben finanzieren muss“: Abstreiter erlebte eine historische Premiere – und fand‘s „verrückt“.
Etwa als sie „mit einer Freundin beim Brunch“ war und zahlen wollte: „Das hatte schon ein anderer gemacht, der uns erkannt hatte.“ Oder als die Ottawa Senators das komplette Team in die VIP-Loge zum NHL-Spiel einluden. Nur deren deutschen Star Tim Stützle traf sie „leider nicht“.
Sportlich lief die Saison nicht ganz nach Wunsch, nicht nur weil die Play-offs verpasst wurden. Lediglich dreimal kam Abstreiter zum Einsatz, weil ihre kanadische Konkurrentin Emerance Maschmeyer als Olympiasiegerin gesetzt war. „Wir haben uns sehr gut verstanden, ich habe viel von ihr gelernt“, sagt die 26-Jährige, die bei der WM im April als beste Torhüterin ausgezeichnet wurde. Und deshalb jetzt andere Ansprüche hat: „Ich will nicht nur auf der Bank sitzen, ich will spielen.“
Ihren Vertrag in Ottawa verlängerte Abstreiter nicht, als „Free Agent“ bot sie sich den anderen Klubs an, „das war ein Risiko“. 200 Kilometer weiter östlich in Montreal kämpft sie ab der nächsten Woche im Trainingscamp mit vier anderen Torhüterinnen um drei Plätze im Kader. „Zwei haben schon einen Vertrag, es gibt noch einen Spot.“
Der Deutschland Cup in Landshut, in den sie mit der Nationalmannschaft am Mittwoch überzeugend mit 4:1 gegen Frankreich startete, ist „auch noch mal Vorbereitung darauf“. Bei Victoire de Montreal, wie der Klub jetzt heißt, winkt das eine oder andere Spiel im Bell Centre des NHL-Rekordmeisters Canadiens. In Ottawa spielte Abstreiter im Stadion des Juniorenteams 67‘s.
Wenn die PWHL am 30. November in die zweite Saison startet, könnte die Nationaltorhüterin nicht mehr die einzige Deutsche in der Liga sein. Denn die Berliner Stürmerin Laura Kluge ist von den Toronto Sceptres ins Camp eingeladen worden. Eigentlich, meint Abstreiter, müsste es mehr Arbeitsplätze in der ersten Profiliga geben: „Ich hatte schon erwartet, dass noch eine Mannschaft dazukommt.“ Doch etwaige Expansionsschritte sind vorerst auf 2025 verschoben. Somit bleibt der Kampf um Einsätze hart.
SID