„Komplett zusammengeschweißt“ in die Olympia-Qualifikation

von Redaktion

DEB-Frauen im Hoch: Mehr Fans, mehr Förderstellen

Familiäres Frauen-Eishockey: Rekordnationalspielerin Andrea Lanzl ehrte mit Sohn und Maskottchen die besten Akteurinnen beim Spiel gegen die Slowakei © DEB/City-Press

Landshut – Am Samstag ging für Sandra Abstreiter der Deutschland Cup in Landshut zu Ende, am Montag saß sie schon im Flieger nach Kanada, wo am Dienstag ein neues Abenteuer beginnt. Zwar ist die deutsche Eishockey-Nationaltorhüterin mit der im Vorjahr eingeführten Professional Women’s Hockey League (PWHL) schon vertraut, weil sie in der Saison 2024 dem Team aus Ottawa angehörte – doch die Sicherheit eines Anschlussvertrags dort hat sie aufgegeben. Die klare Nummer eins in Ottawas Kasten ist die kanadische Olympiasiegerin und Multiweltmeisterin Emerance Maschmeyer (30). Die in 23 der 24 Punktspiele begann, der Freisingerin Abstreiter (26) blieben nur 116 Minuten Gesamtspielzeit.

„Ich bereue die Zeit in Ottawa nullkommanull, aus meiner Rolle als Nummer zwei habe ich das Beste gemacht, aber ich wollte mich neu challengen, nicht auf dem zweiten Spot bleiben, auf dem ich dann vielleicht vier Jahre feststecke“, erklärt Sandra Abstreiter. Daher versucht sie nun, in Montreal einen PWHL-Vertrag zu bekommen. „Wir sind im Camp fünf Torhüterinnen, von denen zwei bereits den Vertrag haben. Unter den anderen drei geht es um den freien Platz.“ Sollte sie ihn nicht bekommen, „müsste ich spontan auf die Lage reagieren. Einen ausgefeilten Plan B gibt es nicht.“ Abstreiter würde dann wohl in Europa spielen: „Schweden wäre eine wahrscheinliche Option, auch die Schweiz hat mittlerweile eine gute Liga, die deutsche Bundesliga macht Schritte nach vorne.“ Ziel aber ist der Job in Montreal, das tägliche Training „auf einem Niveau, das ich nur von der Weltmeisterschaft kenne“. Jedenfalls: Sandra Abstreiter soll der Rückhalt sein, mit dem die deutschen Frauen sich für Olympia 2026 in Mailand qualifizieren. Eine dafür gute Nachricht: Das Qualifikationsturnier vom 6. bis 9. Februar in Bremerhaven kann die Keeperin auch dann wahrnehmen, falls sie an Montreal gebunden ist. Die Frauen-Profiliga pausiert, stellt ihre Spielerinnen ab.

Die Zuversicht, gegen Österreich, das in Landshut mit 3:1 besiegte Ungarn und einen dritten noch nicht feststehenden Gegner zu bestehen, ist durch den Turniersieg beim Deutschland Cup gestiegen. „Das Turnier hat uns komplett zusammengeschweißt“, fühlt Abstreiter, „das Teamgefühl war super.“ Der Kader schrumpfte zwischendurch mal, weil ein Magen-Darm-Virus durch die Reihen ging, und gegen Slowakei und Ungarn waren kritische Phasen in doppelter Unterzahl zu überstehen. Doch die Mannschaft zeigte Fortschritte, im athletischen Bereich – und im mentalen. „Wir sind mit der Kulisse besser umgegangen als voriges Jahr“, so Bundestrainer Jeff MacLeod. 3070 Fans im Stadion, als es final gegen Ungarn ging – es war nicht erdrückend, sondern inspirierend.

Es waren auch wichtige Gäste da – wie Andreas Hahn, der „Referatsleiter Spitzensport im Kommando Streitkräftebasis“. Er ist Ansprechpartner, was die Sportförderstellen der Bundeswehr betrifft, und „dem Frauen-Eishockey wohlgesonnen“, so DEB-Sportdirektor Christian Künast. Bislang haben die Puck-Frauen 13 Soldatinnen-Stellen, Künast ist zuversichtlich, dass es eine Aufstockung gibt, sollte die Olympia-Qualifikation – die erste seit 2014 gelingen. Außerdem: Der Verband erwägt eine Bewerbung um die Frauen-Weltmeisterschaft. Im Gespräch ist bereits das Jahr 2026.
GÜNTER KLEIN

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