Im Vorfeld gab es viel Spott. Die Carolina Panthers kommen nach München, die New York Giants kommen nach München. Was hat Deutschland der National Football League denn eigentlich angetan? Die Premiere in München 2022 war der perfekte Startschuss für die NFL-Reise hierzulande, auch aufgrund der positiven Erfahrungen in der bayerischen Landeshauptstadt wurde die Internationalisierung in Siebenmeilenstiefeln vorangetrieben. Und dann schickt man die zwei Teams, die zu den schlechtesten der Liga gehören? Dass nicht jedes Jahr eine Legende wie Tom Brady kommen kann, geschenkt. Aber dann gleich so ein Absturz?
Ja, dieses Mal gab es wenige Tage vor dem Spiel noch Karten im Zweitverkauf zu humanen Preisen. Das lag sicherlich an der auf den ersten Blick sportlich nur semi-reizvollen Paarung. Doch diejenigen, die ihre Karten wieder verkauften, werden sich geärgert haben. Denn München lieferte wieder mal ab. Es lag vor zwei Jahren also nicht nur an dem Reiz einer Premiere, dass Football hier so gut funktioniert. Als Country Roads wieder mal durch 70 132 (neuer Rekord bei einem NFL-Spiel) Kehlen dröhnte, wirkte das nicht künstlich reproduziert. Egal ob Fans oder Verantwortliche der Liga, alle waren sich einig, dass Football und München harmonieren, dass der Sound, die Stimmung besonders sind. Das liegt auch an den Tagen vor dem Spiel, an den Brauhäusern, die sich der NFL-Welt hingeben und Fans unterschiedlichster Teams einen Ort zum gemeinsamen Feiern ihrer Leidenschaft geben.
Auch RTL hat gelernt, im Vorfeld der Übertragung (so war es letztes Jahr vor dem Spiel der Chiefs und Dolphins in Frankfurt) sah man nicht Oliver Pocher über Liebeskummer philosophieren. Die vielen Werbeunterbrechungen mögen vielen ein Dorn im Auge sein. Aber die National Football League, und da macht sie auch in keiner Weise ein Geheimnis draus, ist nun mal eine Marketingmaschinerie mit dem primären Ziel: Wachstum!
Und dafür ist in Deutschland noch genügend Potenzial. Bis zu 1,42 Millionen Fans verfolgten das Spiel bei RTL – solide, aber bei über drei Millionen Menschen in Deutschland, die die Liga (laut Angaben der NFL) intensiv verfolgen, noch ausbaufähig.
Aber Flag Football, 2028 in Los Angeles olympisch, wird die Entwicklung der Sportart vorantreiben. Und dann gibt es ja immer noch Benjamin Blümchen, der nun auch mit der NFL kooperiert.