Eismeister bei der Problemlösung. © dpa
Ein freundlicher Herr im Gespräch mit den Fans: Eishockey-Bundestrainer Harold Kreis beim Deutschland Cup nach dem versöhnlichen Abschluss gegen Österreich. © DEB/City-Press
Landshut – Der letzte Eindruck schlägt den vor- und den drittletzten – und so kann das deutsche Eishockey beruhigt wieder in den am Donnerstag einsetzenden Ligaalltag hinübergleiten. Ergebnisse und teilweise auch die Auftritte des Aushängeschilds Nationalmannschaft beim Deutschland Cup in Landshut hatten nicht zum Aufwärtstrend und der Ausstrahlung der vergangenen Jahre gepasst, doch nach einem Penalty-5:6 gegen Dänemark und einem 2:6 gegen die Slowakei beendete das Team dank eines 6:0 über Österreich das zum 35. Mal ausgetragene Hausturnier noch als Zweiter. Es kam sogar zu Ehrenrunden und Verbrüderungen mit den besänftigten Fans. Bundestrainer Harold Kreis war dann ebenfalls zufrieden. „Als Trainerstab hatten wir Spaß, einer Mannschaft mit diesem Fokus zuzusehen. Es war ein echtes Hockeyspiel mit Toren, Checks und ,big saves‘ von Arno.“
Arno Tiefensee, der junge Torwart aus Mannheim, hielt alles, war klar besser als die in den Matches davor eingesetzten Kollegen Maxi Franzreb (Bremerhaven) und Dustin Strahlmeier (Wolfsburg), und die Mannschaft musste endlich mal keinem Rückstand hinterherlaufen. Harold Kreis: „Diesmal haben wir so angefangen wie die Dänen und Slowaken gegen uns.“ Der Wille, bei der eigenen Veranstaltung nicht gänzlich abzuschmieren, war greifbar, der Münchner Verteidiger Dominik Bittner lief auf, obwohl er tags zuvor nach dem Slowakei-Spiel noch mit Eisbeuteln ums Knie herum anzutreffen war. In der Offensive drehten Tom Kühnhackl und Luis Schinko, beide gebürtige Landshuter, mit zusammen drei Treffern auf, und der dem EHC München dienende Niederbayer Maxi Daubner, eigentlich längst zum Abwehrmann umgeschult, kam in seiner alten Funktion als Stürmer zum ersten Länderspieltor.
Kreis hatte den Deutschland Cup 2024 zum ersten Casting für den Olympiakader 2026 ausgerufen. „Zu sagen, dass wir schon eine Olympia-Mannschaft hätten, wäre vermessen“, sagt er. „Wir senden den Spielern eine Botschaft, dass wir jedes Turnier ernst nehmen.“ Kreis ist allerdings auch ein wacher Empfänger von Botschaften. Er will erleben, wie Spieler sich in der Kabine verhalten, für welche Rolle sie taugen. Gerade wenn man auf die Olympischen Spiele in 15 Monaten blickt: Da werden die NHL-Spieler dabei sein, Deutschland hat aktuell sieben (Leon Draisaitl, Moritz Seider, Tim Stützle, JJ Peterka, Nico Sturm, Lukas Reichel, Philipp Grubauer) und bald mit dem Ex-Münchner Maksymilian Szuber den achten. Sie sind die besten Spieler, sollen die Mannschaft tragen, was heißt, dass die, die sonst Anführer sind, andere Rollen einnehmen müssen.
In Landshut hat Kreis sich den Mannheimer Tom Kühnhackl, früher in der NHL unterwegs, und Patrick Hager, Münchner DEL-Star angesehen und angehört – beide spielten zuletzt vor seiner Bundestrainerzeit im Nationalteam. Den Eindruck vom nunmehrigen richtigen Kennenlernen: „Beide sind sehr gesprächig in der Kabine.“ Es klingt eher nach Plus- als nach Minuspunkt.
GÜNTER KLEIN