Die DFB-Kicker haben viele englische Wochen in den Knochen. © Imago
Nagelsmann muss die Belastung seiner Profis steuern. © Imago
Die DFB-Elf beim gemeinsamen Training am Dienstag. © Imago
München – Die neue Trainingswoche ist für die Nationalspieler recht entspannt gestartet. Am Montagabend mischten ein paar Amateurkicker vom FSV 1968 Behringen beim Torschusstraining mit, während ein Quartett um Joshua Kimmich, Robert Andrich, Pascal Groß und Juilan Brandt sich im Lattenschießen duellierte. Der sanfte Aufgalopp zeigt: Beinharte Einheiten sind von Bundestrainer Julian Nagelsmann dieser Tage nicht zu erwarten – das freut vor allem die Vereinstrainer aus München, Stuttgart oder Dortmund.
Neun angeschlagene Spieler im Kader
Nagelsmann verriet, dass er mit zahlreichen Club-Kollegen im Vorfeld in Kontakt stand, um die Belastung nach drei Englischen Wochen nacheinander während des DFB-Lehrgangs entsprechend zu steuern. Der Nationaltrainer, der aktuell neun angeschlagene Spieler im Kader hat, wird den Wünschen von Vincent Kompany & Co. nachkommen: „Es ist eine Grat-Wanderung zwischen den Ambitionen der Nationalmannschaft und den berechtigten Ansprüchen der Klubs. Da sind wir im Austausch.“
Die aktuell vielen Verletzungen und Wehwehchen resultieren aus der Vielzahl an Spielen, die die Kicker aktuell absolvieren müssen. Dessen ist sich auch Nagelsmann bewusst: „Da kann man relativ leicht drauf kommen, dass Verletzungen auch mit Belastung zu tun haben.“ Letztendlich müsse er seine Schlüsse daraus ziehen. Deshalb sei der Bundestrainer eben auch bereit, mit den Vereinen im Hinterkopf Kompromisse bei seiner eigenen Trainingsarbeit zu machen. Er sei selbst Vereinstrainer gewesen und wisse deshalb auch, dass die kommende Phase schwierig werde. Am Dienstag waren dann Florian Wirtz und Angelo Stiller nicht auf dem Rasen. Der Leverkusener Wirtz fehlte auf dem Trainingsplatz am DFB-Campus in Frankfurt wegen eines Infekts. Stuttgarts Stiller setzte wegen muskulärer Probleme mit dem Teamtraining aus, arbeitete aber im Fitnessraum.
Kompromisse werden schwieriger
Gleichzeitig stellte Nagelsmann aber klar, dass solche Kompromisse beim möglichen Viertelfinale in der Nations League oder der anstehenden WM-Qualifikation schwieriger werden. Dann ist der Kuschelkurs zwischen Bundes- und Vereinstrainer spätestens vorbei. „Da werde ich nicht anfangen, mit den Vereinstrainern zu diskutieren“, ob ein Spieler „60, 75, 45 Minuten oder gar nicht spielt“, sagte Nagelsmann. „Jetzt mache ich das gerne.“
Zudem gehe es im November auch um psychische Dinge für die Spieler: Der Bundestrainer nannte Vitamin-D-Mangel, kürzere Tage, Regen – auch das werde er versuchen, zu berücksichtigen.
Spieler reisen wieder gerne zum DFB-Team
Was Nagelsmann in diesem Zusammenhang besonders freut: Obwohl zahlreiche Spieler angeschlagen sind, haben sie die DFB-Reise angetreten: „Wenn man ein Jahr zurückdenkt, glaube ich, das ist hypothetisch, dass unter Umständen einige vorher angerufen und gesagt hätten, ich habe ein bisschen Probleme, ich komme nicht, ich brauche meine Kraft für meinen Verein“, sagte Nagelsmann. „Und jetzt sind trotzdem alle da.“ Dieses Bild soll auch bei den wichtigeren Länderspielen in den kommenden Wochen und Monaten aufrecht gehalten werden.
MANUEL BONKE