Einen speziellen Trick wollte Jamal Musiala nicht verraten. „Ich versuche einfach, in der Box zu sein, wenn mal ein Ball runterfällt – und jetzt ist er mir ein paar Mal auf den Kopf gefallen“ antwortete der 21-Jährige auf eine Kinderfrage zu Beginn der Pressekonferenz des DFB am Dienstagnachmittag. Nicht nur der jungen Nachwuchsreporterin einer Mannheimer Grundschule – am Tag zuvor hatte sie die Stiftung Nationalmannschaft im Rahmen einer Fanaktion eingeladen – ist aufgefallen, wie häufig Musiala zuletzt per Kopf traf.
Auch ganz Fußballdeutschland bestaunt derzeit den Mittelfeldspieler, der sich in der Form seines Lebens befindet. Neben der ungewohnten Kopfballstärke (Musiala traf so gegen Bochum, Mainz und Benfica) zeigt er aktuell schließlich weitere neue Stärken. Das 1:0 gegen St.. Pauli erzielte er per Distanzschuss, es war sein erster Treffer außerhalb des Strafraums in dieser Spielzeit und bereits das dritte wichtige Führungstor in Folge. Seine starke Verfassung und die stetige Lust darauf, sich weiter zu verbessern, ist auch dem Bundestrainer nicht entgangen. Er habe schon immer gesagt, dass Musiala noch mehr Gier aufs eigene Tore brauche. „Das macht er gerade sehr gut“, sagte Julian Nagelsmann am Tag zuvor. „Ich finde, dass er gerade gute Schritte geht.“ Außerdem entwickle er aktuell eine gewisse Geradlinigkeit, die ihm zuvor teils gefehlt habe.
Nur logisch, dass die Vertragsverlängerung des Offensivstars für den FC Bayern daher aller höchste Priorität hat. Für die Bosse des Rekordmeisters stellt sich allerdings die Frage, wie teuer die neue Treffsicherheit Musialas wird. Schließlich ist schon seit Monaten klar, dass er bei einer Verlängerung zu einem der Top-Verdiener des Teams aufsteigen dürfte. Dass der Offensivstar mitten in der heißen Phase der Verhandlungen nun in derart starker Form auftritt, wird sein neues Arbeitspapier nicht gerade billiger werden lassen.
Musiala selbst will sich zu den Verhandlungen aktuell nicht äußern. „Über die Vertragssache kann ich nicht viel erzählen“, wiegelte er entsprechende Nachfragen am Dienstag ab. „Mein Fokus liegt auf dem DFB-Team, ich will mich nun erst mal auf die Länderspiele konzentrieren und danach die Hinrunde so gut wie möglich beenden.“ Immerhin schob er hinterher, dass er sich „wie schon oft gesagt“ beim Rekordmeister sehr wohl fühle. Ein weiteres Argument für einen FCB-Verbleib könnte außerdem die Verbindung zu Vincent Kompany sein. „Mit Vincent und dem ganzen Trainerteam habe ich ein gutes Verhältnis. Wir gehen offen miteinander um, wollen alle Titel gewinnen und Schritte nach vorne machen. Deshalb bin ich auch offen für Kritik.“ Was Kompany seinem Schützling mitgegeben hat? „Sein größter Kritikpunkt war es, dass ich öfter in die Box gehen und mich für Tore in Stellung bringen soll.“ Die letzten Wochen beweisen: Das hat er in beeindruckender Art und Weise geschafft.
VT, BOK