Für Alba Berlin und Cheftrainer Israel Gonzalez läuft es nicht rund. © IMAGO
Berlin – So hat man Israel González in Berlin wohl noch nie gesehen. Beim völlig überraschenden Euroleague-Sieg gegen das Starensemble von Armani Mailand hüpfte der krisengeplagte Alba-Coach wie ein Irrwisch an der Seitenlinie herum. So trieb er sein Rumpfteam zum zweiten Erfolg in der Königsklasse des europäischen Basketballs.
„Ich bin stolz: stolz auf meine Spieler und die Energie, das Engagement und den Willen, den sie heute gezeigt haben“, sagte der Spanier, der aktuell eine schwere Zeit in der Hauptstadt durchmacht. Denn Alba steckt in einer tiefen Krise.
In der Bundesliga haben die Berliner nur drei von sieben Spielen gewonnen, in der Euroleague stecken sie fast schon traditionell im Tabellenkeller fest. Am Donnerstag traf man auf die Basketball des FC Bayern (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe).
Doch gegen wen es für Alba aktuell geht, ist fast schon zweitrangig. Zu groß sind die eigenen Probleme. Vor allem personell haben die Berliner riesige Sorgen, gegen Mailand musste González gleich auf acht verletzte Spieler verzichten. Martin Hermannsson, Will McDowell-White, Louis Olinde, Matt Thomas, Justin Bean, Yanni Wetzell, Malte Delow und Khalifa Koumadje – sie alle standen Alba nicht zur Verfügung.
Dass in Dorian Grosber auf einmal ein 18 Jahre alter Luxemburger, der normal für Lok Bernau in der drittklassigen Pro B spielt, in der Starting Five stand, sagt alles über die Personalsituation der Berliner. „Wir haben uns gesagt, es setzt niemand einen Pfennig auf uns. Alles, was wir machen können, ist vollen Einsatz zu zeigen“, sagte Nationalspieler Jonas Mattisseck.
Und das taten die Berliner und erlebten so einem emotionalen Abend in der Uber Arena am Ostbahnhof. Ein Abend, der die Wende zum Guten einläuten könnte? Das bleibt abzuwarten, denn die Probleme liegen tiefer.
Der Kader wirkt auch ohne die vielen Ausfälle nicht ausgewogen zusammengestellt, die Abgänge von Sterling Brown und Weltmeister Johannes Thiemann wurden nicht adäquat kompensiert. „Wir konnten leider nicht alle unsere Überlegungen umsetzen“, sagte Sportdirektor Himar Ojeda bereits vor Saisonbeginn.
So hatte Alba zum Beispiel starkes Interesse an Center Tibor Pleiß, der gerade erst vom neuen Bundestrainer Álex Mumbrú nach acht Jahren Pause wieder ins Nationalteam berufen wurde. Doch Pleiß wechselte lieber nach Italien.
Finanziell kann Alba international einfach nicht mehr mithalten. Zum einen, weil der Club viel Wert auf und damit viel Geld in die Jugendarbeit und den Frauen-Basketball steckt. Zum anderen, weil das Hallen-Problem seit Jahren nicht gelöst ist. Die Miete für die zur Anschutz Entertainment Group gehörende Uber Arena belastet den im Vergleich zu den meisten anderen internationalen Top-Vereinen eh schon überschaubaren Etat in erheblicher Weise.
dpa