Havertz erzielte seinen 20. Länderspieltreffer. © Imago
Voller Einsatz: Havertz hinterließ wieder einen guten Eindruck. © Imago
Freiburg – Die Lobeshymnen auf Kopfballungeheuer Jamal Musiala und Freistoß-Gott Florian Wirtz waren nach dem famosen 7:0 gegen Bosnien-Herzegowina groß. Für Kapitän Joshua Kimmich ist der alte und neue „Wusiala“-Hype freilich berechtigt – ein anderer Offensivkünstler kommt ihm dabei aber zu kurz: Kai Havertz: „Der Kai geht in der Berichterstattung immer ein bisschen unter. Auch er macht das richtig gut!“
Der Angreifer des FC Arsenal ist mit 25 Jahren zwar immer noch jung, im Vergleich zu den beiden 21-jährigen Kollegen im Angriff jedoch deutlich erfahrener auf internationalem Top-Niveau. Das Problem von Havertz: Er hatte jahrelang ebenfalls den Ruf eines Ausnahmefußballers, für spektakuläre Momente konnte er jedoch nie wirklich sorgen – zumindest im DFB-Trikot.
Nach seinem Wechsel von Bayer Leverkusen zum FC Chelsea wurde seine Spielweise – wie in der Premier League benötigt – körperlicher. Auf dem Platz wirkt er dadurch weniger filigran als früher. Musiala und Wirtz seien „schon spektakulär“, befand Kimmich, „aber den Kai sehe ich da auf einem Level“.
Der Arsenal-Profi debütierte 2018 mit 19 Jahren im Team des damaligen Bundestrainers Joachim Löw. Als großes Versprechen für die Zukunft erlebte er jedoch die trist-grauen Jahre der DFB-Auswahl und konnte den Niedergang auch nicht aufhalten – und hat dieses Stigma zumindest unterbewusst immer noch an sich haften. Doch statistisch gesehen stand Havertz den beiden Emporkömmlingen gegen Bosnien-Herzegowina in Nichts nach: Der London-Legionär erzielte einen Treffer selbst und bereitete zwei weitere Tore vor (Note: 1). Im Torabschluss ließ er zwar in einigen Situationen gute Chancen liegen, doch das ist Jammern auf hohem Niveau. Bundestrainer Julian Nagelsmann bricht regelmäßig eine Lanze für Havertz, den er nach der Europameisterschaft gemeinsam mit Antonio Rüdiger zum Vize-Kapitän befördert hat.
Anders als in der Vergangenheit hat der gebürtige Aachener nun auch eine fixe Rolle innerhalb der Mannschaft: Wurde er von Nagelsmann vor einem Jahr noch als „linker Schienenspieler“ und bei der EM als „falsche Neun“ eingesetzt, ist darf Havertz nun auf seiner einstigen Paradeposition als zentraler Offensivspieler hinter der Sturmspitze ran. „Das Schöne an Kai ist, er kann sehr viel, sehr gut auf verschiedenen Postionen“, sagte Nagelsmann. „Ich habe nie Sorge, ihn irgendwo hinzustellen, das wird auch in Zukunft so sein, ich nagele ihn nicht fest auf eine Position.“ Havertz werde viel spielen, „weil ich viel von ihm halte“. Im 4-2-3-1-System ist er aktuell von „Wusiala“ eingerahmt.
M. BONKE