Auswärts ein Spitzenteam

von Redaktion

Hobsch und Hiller bescheren 1860 einen glücklichen Punkt in Aachen

Starker Rückhalt: Auf Marco Hiller im Löwen-Tor war erneut Verlass. © Sampics / Matzke

Wer zuletzt lacht: Patrick Hobsch und Maximilian Wolfram (r.) nach ihrer Koproduktion zum späten 1:1-Ausgleich. © Sampics / Stefan Matzke

Aachen – Am Ende konnte selbst die Deutsche Bahn die Freude der Löwen-Fans nicht trüben. „Sechzig, Sechzig!“, brüllte der blockstarke Pulk auf dem Bahnsteig in Aachen – noch nicht ahnend, dass die anstehende Heimreise ähnlich wechselhaft und emotional verlaufen würde wie zuvor das 1:1 im Hexenkessel Tivoli.

Zur Bahn-Odyssee: mühsamer Start (drei kurzfristige Gleisänderungen), schleppende Anfangsphase (drei Stunden für die 70 km Luftlinie nach Köln), bald der erste Dämpfer (Anschlusszug wird nicht erreicht), neue Hoffnung durch neuen Streckenplan (über Stuttgart statt Frankfurt), kollektives Zittern (offiziell nur sieben Minuten für den Umstieg in Mannheim), gefolgt von spätem Glück, dass München doch noch erreicht wurde – wenn auch erst um 1.30 Uhr in der Nacht (statt 23.17 Uhr).

Analog dazu der Verlauf im Spiel. Mühsamer Start: Bakhat freistehend vorbei, Abseitstor von Heinz. Schleppende Anfangsphase: Die Löwen zu behäbig. Dann der erste Dämpfer: Kozuki lässt vor dem Strafraum Bentley-Bexter Bahn entgleisen, der den trotzdem verhängten Strafstoß souverän verwandelt (11.). Bemerkenswert: ein Bahn, der liefert – sein 20. Elfer-Tor beim 20. Versuch. Zur Pause ändert 1860-Lokführer Giannikis die Streckenführung auf dem Spielfeld, bläst das Experiment mit Kozuki als Schnellzug vorne drin ab, bringt für ihn das gute alte Dampfross Patrick Hobsch (30). Zittern im prall gefüllten Gäste-Block (3500 aus München), weil die Zeit knapp wird. Schließlich das Happy End: Maximilian Wolfram passt nach innen, Hobsch zieht direkt mit links ab (87.). Tunneltor durch den Giannikis-Joker – damit das Ziel doch noch erreicht: Die Miniserie in der Liga geht weiter.

Wie von Giannikis vorhergesagt sind Totopokal und Liga zwei Paar Stiefel. Zwar spielten die Löwen anfangs nur unwesentlich besser als beim Cup-K.o. gegen Haching (1:3), doch der Aufwärtstrend in der Tabelle kommt nicht von ungefähr. Seit Marco Hiller wieder im Tor steht, sind die Löwen schwer zu besiegen. In Sandhausen und gegen Mannheim stand hinten die Null (jeweils 3:0) – und in Aachen war der am Samstag beste Löwe nur vom Punkt zu bezwingen. Von acht Spielen auf fremden Plätzen hat 1860 nur zwei verloren. Zumindest auswärts sind die Löwen ein Spitzenteam, denn dazu gehört auch, dass man Spiele gewinnt, in denen der Gegner besser ist. Aachens Trainer Heiner Backhaus haderte jedenfalls: „Ich habe schon Drittligateams gesehen, die so ein Spiel 5:0 gewinnen. Wie viele Chancen willst du noch haben?“

Die erneut hocheffektiven Löwen wussten dagegen, bei wem sie sich zu bedanken hatten. „Am Anfang waren wir träge. Wir haben Marco Hiller gebraucht, um im Spiel zu bleiben“, sagte Argirios Giannikis. Beim „dummen Elfer“ war er machtlos, glänzte aber bei Chancen von Bakhat (24.) und Ex-Löwe Goden (83.). Giannikis: „Je länger es ging, desto mehr Energie haben wir auf den Platz gebracht. Die Mannschaft hat sich und die Fans am Ende belohnt.“ Ein feiner Zug von Hiller & Co. – der die emotionale Achterbahnfahrt nach Aachen doch noch zu einem (Teil-)Erfolg machte.
ULI KELLNER

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