Hinein ins Glück: Dreier-Spezialist Obst. © IMAGO
München – Knapp eine Minute vor dem Ende rief Regisseur Shabazz Napier die Bayern-Basketballer noch einmal zusammen.- „Alle für Andi“, so könnte man zusammenfassen, was der Regisseur seinen Kollegen da zu sagen hatte. Und es klappte ja auch. Irgendwie kam die Kugel zu Andi Obst. Der Weltmeister machte zwei, drei schnelle Schritte, zog ab und der Ball segelte mit kurzem Gruß an den Ring durch die Reuse. Es war die letzte, die größte Gefühlsexplosion in einem, ohnehin ziemlich losgelösten SAP-Garden.
Es war der elfte Dreier, den Obst an diesem Abend versenkte. Soweit hatte es in der Euroleague bis dato noch niemand gebracht. Und Obst kommentierte das mit einem entsprechend breiten Grinsen: „Das ist schon ziemlich cool.“
Ganz sicher war es das Sahnehäubchen auf einem Abend, der zu einem Schlüsselmoment in dieser Saison werden könnte. An dem die Bayern Titelfavorit FC Barcelona mit 100:78 derart verprügelten, dass dessen Coach Joan Penarroya nicht viel mehr einfiel als der Satz, den er dreimal wiederholte: „We can do better“ – wir können das besser.“
Und die Bayern? Nehmen neben dem achten Sieg in der elften Saisonpartie die Erkenntnis mit, dass man in vielerlei Hinsicht zugelegt hat. Oder wie Trainer Gordon Herbert es nannte: „Seit drei, vier Wochen wird eine Identität erkennbar“. Spielerisch läuft es. Das spielerisch langsamste Team der Vorsaison ist nun das schnellste. Und während die ersten Saisonerfolge stark vom Top-Trio Carsen Edwards, Shabazz Napier und Devin Booker getragen waren, bringen sich nun auch andere Akteure immer nachdrücklicher ins Geschehen.
So wie nun Andi Obst eben., der sich in den ersten Saisonwochen noch schwer getan hatte, auf Betriebstemperatur zu kommen. „Ich habe mich die ganze Woche über schon gut gefühlt“, sagte er, „und wenn dann die ersten Würfe fallen, dann läuft es einfach.“ Am Ende hatte Obst fast dreimal so viele Würfe aus der Distanz versenkt, wie der völlig indisponierte FC Barcelona insgesamt (4).
Es wird interessant, wenn demnächst Kapitän Vladimir Lucic und Niels Giffey zurück ins Team drängen. Oder wenn Neuzugang Onuralp Bitim, der wegen eines Augenproblems noch mit Maske spielen muss, noch etwas besser mit seinem neuen Team vertraut ist.
Obst allerdings drückt da lieber auf die Bremse. „Es ist noch früh in der Saison, wir müssen jetzt einfach ruhig weitermachen“, sagte er. Den Rekord, ebenso wie den Spielball nahm er aber natürlich gerne mit.
RP