Leicht zitternd „Auftrag erfüllt“

von Redaktion

3:2: EHC schlägt Augsburg, ohne souverän zu wirken

Eigentlich sind sie befreundet – aber nicht bei knappem Spielstand: Maxi Kastner (unten), Denis Reul. © IMAGO

München – Noch 11,2 Sekunden: Bully vor dem Münchner Tor, der EHC schlägt die Scheibe raus – Icing, unerlaubter Weitschuss. 4,9 Sekunden Restspielzeit auf der Uhr und noch einmal Anspiel nahe des Münchner Kastens. Als auch der letzte Augsburger Abschlussversuch erfolglos geblieben war, reckte EHC-Keeper Mathias Niederberger den Fanghandschuh in die Luft. Der EHC Red Bull München hatte den 3:2 (1:0, 2:2, 0:0)-Derbysieg ins Ziel gerettet. Es war der erste Erfolg gegen den schwäbischen Nachbarn nach zuletzt saisonübergreifend vier Niederlagen. „Auftrag erfüllt“, sagte Trainer Max Kaltenhauser und dankte seinen Assistenten für die gute Vorbereitung, denn: „Ich war die letzten Tage ein bisserl außer Gefecht.“ Er hatte sich einer Zahnoperation unterziehen müssen.

In der Fantasie der Fans hätte der Sieg klarer ausfallen dürfen, denn die Augsburger Panther kamen in miserablem Zustand in den ausverkauften (10796 Zuschauer) SAP Garden. Im Oktober hatten sie hier 4:2 gewonnen, seitdem aber kein einziges Spiel mehr. Von „24 nicht geholten Punkten“ sprach AEV-Sportdirektor Larry Mitchell. Im ersten Drittel schien die Angelegenheit sich klar zu gestalten, der EHC ging durch Verteidiger Jakob Weber in Führung (6.) – wobei in der Entstehung ein Foul von EHC-Kapitän Patrick Hager von den Schiedsrichtern übersehen wurde – und ließ Augsburg gar nicht mitspielen. „Im ersten Drittel“, meinte Max Kaltenhauser, „hätten wir nicht viel besser machen können – außer mehr Tore zu schießen.“

Ab dem zweiten Durchgang kam der EHC allmählich vom Pfad der Tugend ab, Augsburgs Finne Anrej Hakulinen stellte auf 1:1 (21.), und selbst die Tore zum 2:1 (Hirose, 30.) und 3:1 (Krämmer, 31.), zwischen denen 42 Sekunden lagen, brachten den EHC nicht in Sicherheit. Augsburg verkürzte durch Kunyk auf 3:2 (35.), es war der erste Überzahltreffer der Panther seit Wochen. Grausame Statistik: 50 Minuten Powerplay-Versagen standen zu Buche.

Die übliche Derby-Emotionalität erfasste dann auch zwei, die sich eigentlich das Gegenteil von spinnefeind sind: Maxi Kastner auf Münchner und Denis Reul auf Augsburger Seite. „Denis war nicht glücklich mit einem Check von mir“, erzählte Kastner. In der Bandenrundung kam es zum Körpergemenge, Kastner hatte auf einmal die 115 Kilo vom Denis Reul auf sich: „Da wird‘s schnell dunkel.“ Angst, „dass er mich verdrischt“ hatte Kastner nicht, denn: „Wir kennen uns schon lange privat.“ So kam es nach der Partie noch auf dem Eis zur klärenden friedlichen Nachbesprechung. Kastner: „Denis hat sich entschuldigt, dass ihm die Zündschnur durchgebrannt ist. Aber es war halt emotional auch wegen des Spielstands.“

Noch nicht zu sehen bekam das Publikum den Neuen des EHC: Will Butcher war am Samstag noch gar nicht in München angekommen. Der EHC hatte trotzdem ein volles Line-up. Mit 13 Stürmern (unter ihnen der nach Gehirnerschütterung zurückgekehrte Tobias Rieder) und sechs Verteidigern. Konrad Abeltshauser, beim 3:0-Sieg am Donnerstag in Iserlohn leicht verletzt, hätte sich „bei einem Engpass zur Verfügung gestellt“ (Kaltenhauser). Er pausierte. Die Abwehr hatte wieder ihre kritischen Momente, Emil Johansson, mit den Assists zum 2:1 und 3:1 offensivstark, monierte: „Wir schaffen es nicht, 60 Minuten konzentriert durchzuspielen.“ Das soll mit Will Butcher (29) besser werden.
GÜNTER KLEIN

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