In Zagreb feierte der BVB mal wieder einen Auswärtssieg. © Imago
Zagreb – Zwischen der Befreiung vom quälenden Auswärtsfluch und der Kampfansage an Bayern München lagen nur Minuten. „Das wird ein heißes Ding – und es wird mal wieder Zeit, die Bayern zu schlagen“, sagte Borussia Dortmunds Sportdirektor Sebastian Kehl in der Interview-Zone des baufälligen Maksimir-Stadions von Zagreb forsch, aus der BVB-Kabine hallten Applaus und Gesänge. „Wir sind auf einem richtig guten Weg und gehen mit breiter Brust ins Spiel.“
Am Samstag (18.30 Uhr/Sky) kommt der zehn Punkte enteilte Bundesliga-Tabellenführer nach Dortmund in den Signal-Iduna-Park, wo der BVB in dieser Saison noch jeden Gegner geschlagen hat. Es bietet sich die große Gelegenheit, das schiefe Selbstbild als erster Herausforderer des Rekordmeisters wieder geradezurücken.
Dortmund wieder selbstbewusster
Torhüter Gregor Kobel, während des überlegen erspielten 3:0 (1:0) bei Dinamo Zagreb in der Champions League am Mittwoch quasi beschäftigungslos, kündigte sogleich einen „sehr heißen Fight in einer Wahnsinnsstimmung“ an. „Wir wissen, was sie können, sie sind superstark. Und wir wissen, was wir können.“ Er freue sich, schob er hinterher, „auf jeden Fall“. Nur Nico Schlotterbeck warnte: „Es ist so schwer wie lange nicht mehr, die Bayern zu schlagen. Harry Kane hat eine unfassbare Torquote.“
Doch beim BVB scheint sich Zerrissenes zusammenzufügen. Bisherige Problemprofis wie Felix Nmecha oder Torschütze Ramy Bensebaini präsentieren sich immer besser und reifen zu den Leistungsträgern, die sie von Beginn an hätten sein sollen. Zudem haben die Dortmunder zweimal in Folge ihr Tor sauber gehalten. Eine neue Stabilität?
Wer den BVB kennt, weiß, dass das trügerisch sein kann. Lars Ricken zeigte auf, worauf es am Samstag ankommen wird: „Die komplette Mannschaft muss unser Tor verteidigen. Und vorne es geht um brutale Effizienz. Wir sind die beste Heimmannschaft und wollen es auch bleiben“, sagte der Sportgeschäftsführer. Den Mitgliedern hatte er auf der Jahreshauptversammlung schon einen Sieg gegen Bayern versprochen: „Wir werden und wollen gewinnen.“
Vor allem Bensebaini weiß, wie das geht. Der 29-Jährige erinnert immer mehr an den starken Linksverteidiger, der er in seiner Gladbacher Zeit war. „Er kommt langsam in Fahrt“, lobte auch Trainer Nuri Sahin: „Guter Fußballer, guter Typ.“ Dass Bensebaini auch im Team ankommt, zeigte sich am Mittwochabend in einer Szene, als er mit seiner UEFA-Trophäe die Kabine betrat und spontan eine Party für den Algerier startete. „Für Ramy haben sich alle gefreut. Er hat den nächsten Schritt gemacht“, sagte Kehl grinsend und konnte sich eine süffisante Bemerkung nicht verkneifen: „Anscheinend waren wir bei dem ein oder anderen Transfer nicht ganz so blind.“
International sind ohnehin alle Dortmunder Sorgen relativiert. „Wir sind wieder festgesetzt unter den Besten in Europa“, stellte Ricken zufrieden fest, der vierte Platz nach fünf Spielen im neuen 36er-Ligaformat bietet beste Aussichten auf den direkten Einzug ins Achtelfinale.
Die besten acht Mannschaften ersparen sich in kräftezehrenden Monaten die Play-off-Runde: Angesichts der langen Dortmunder Verletztenliste wäre das eine Wohltat. Serhou Guirassy zum Beispiel war in Zagreb nur als Joker einsetzbar, und Julian Brandt wird gegen München wohl fehlen. Der Nationalspieler und Ersatzkapitän hatte sich wegen Oberschenkelproblemen zur Halbzeit auswechseln lassen.
„Ich denke, dass es eng wird fürs Wochenende“, sagte Trainer Nuri Sahin. „Er ist extrem wichtig für unser Spiel. Wir hoffen, dass es nur eine Zerrung ist.“
SID