„Zurücklehnen ist verboten!“

von Redaktion

Der Ex-Rostocker Morris Schröter über den Druck bei 1860, die Tabelle und seine Zukunft

Hansa-Experte: Schröter im Rostock-Trikot. © IMAGO

Entspanntes Interview: Der zweitligaerprobte Morris Schröter mit Sportredakteur Marco Blanco Ucles. © Sampics

Extraklasse, wenn er fit ist: Turbodribbler Morris Schröter – bei 45 Einsätzen für 1860 war er an 20 Treffern beteiligt. © Sampics

München – Ehrgeizig, schnell, torgefährlich. Morris Schröter (29) ist beim TSV 1860 einer der Spieler, die den Unterschied machen können. Zu Beginn der Saison hatte der Außenstürmer mit Verletzungen zu kämpfen, doch jetzt scheint er fit zu sein – gerade rechtzeitig vor dem Wiedersehen mit seinem Ex-Club Hansa Rostock (Samstag, 14.03 Uhr, BR und MagentaSport). Wir trafen den Wahl-Erdinger zum Interview.

Herr Schröter, am Samstag kommt Ihr Ex-Club Hansa Rostock ins Grünwalder Stadion – eine Motivationsspritze für Sie?

Selbst wenn es kein Ex-Club von mir wäre, bräuchte ich keine Extra-Motivation. Ausverkauftes Haus, zwei große Namen, viele Auswärtsfans – das wird ein schönes Spiel. Wie immer in der 3. Liga erwartet uns ein 50/50-Spiel. Rostock hat etwas gebraucht, um sich zu finden. In einem Heimspiel wollen wir dominant auftreten und gewinnen.

Sie haben bereits 51 Zweitligaspiele absolviert. Die Unterschiede zur 3. Liga?

Einige Spieler der Top-Mannschaften der Zweiten Liga sind individuell besser. Bei manchen Vereinen ist das Drumherum noch größer. Es sind viele Kleinigkeiten. Die Fehlerquote in der Zweiten Liga ist geringer. Wenn man aber einen Fehler macht, wird dieser viel rigoroser ausgenutzt.

1860 gleich aktuell einer Wundertüte…

Das ist fairerweise nicht nur ein Phänomen bei uns. Cottbus schlägt uns 5:1 und verliert die Woche danach 0:4 in Essen. Die Gegensätze sind groß, dieses Jahr ist es extrem. Wir haben eine enge Leistungsdichte in der Liga. Unsere Formkurve zeigt allerdings – außer beim Unterhaching-Spiel – in den letzten Wochen nach oben.

Die aktuelle Tabelle zeigt ein verrücktes Bild. Nur fünf Punkte nach unten, aber auch nur fünf Zähler nach oben…

Ich würde das eher als Chance sehen. Gewinnen müssen wir so oder so. Die erforderlichen 46 Punkte, um in der 3. Liga zu bleiben, haben wir noch lange nicht erreicht. Zurücklehnen ist verboten! Wenn wir die 46 Punkte im Februar haben, reden wir anders über die restliche Saison, als wenn wir sie Ende April haben. Wir müssen gierig bleiben.

Zu oft in dieser Saison verschlafen die Löwen den Start in eine Partie. Woran liegt das?

Es ist nicht so, dass da einer fünf Minuten vor dem Spiel schläft und keinen Bock hat. Wenn man dann aber beispielsweise in Aachen vor 30 000 Zuschauern ein frühes Gegentor bekommt, nimmt das Spiel eine Eigendynamik an, die du nicht aufhalten kannst. Das passiert in Sandhausen oder bei Hannover II eben nicht. Wenn Aachen es besser ausgespielt hätte, wären wir am Ende gewesen, so ehrlich muss man sein. Aber wir müssen es positiv sehen, dass wir in so einem Auswärtsspiel zurückgekommen sind und noch einen Punkt geholt haben.

Von der Defensive nun zu Ihnen. In der vergangenen Saison waren Sie Topscorer mit 14 direkten Torbeteiligungen. Diese Spielzeit bremste Sie eine Verletzung anfangs aus…

Das ging nicht erst bei der Verletzung los. Ich habe sechs Wochen Vorbereitung gemacht, hatte die letzte Saison im Rücken und saß am ersten Spieltag auf der Bank. Das war echt schwierig für mich, muss ich sagen. Dann kam die Verletzung, ich bin danach immer wieder rein- und rausrotiert. Ich will bis zum Ende der Hinrunde wieder an mein Leistungsniveau herankommen und in der Rückrunde verletzungsfrei angreifen. Ich möchte wieder häufiger in torgefährliche Situationen kommen, das ist klar. Wenn ich aber dafür das Patentrezept hätte, könnte ich mein Geld damit verdienen, andere Spieler zu beraten (lacht).

Gab es im vergangenen Sommer Gespräche mit anderen Vereinen?

Es wird außerhalb anders angesehen, wenn man hier seine Leistung bringt, als wenn man das bei einem kleineren Verein macht. Aber ich habe mich nicht wirklich mit einem Wechsel beschäftigt, fühle mich echt wohl hier. Wenn man aber nach sechs Wochen Vorbereitung auf der Bank sitzt, fragt man sich schon: „Warum, wieso, weshalb?“

Haben Sie das Gespräch mit 1860-Coach Argirios Giannikis gesucht?

Nein, am Ende des Tages trifft es jeden Spieler einmal. Da geht es um die Mannschaft, der Trainer hat es so entschieden, das respektiere ich. Für mich persönlich war es aber ein Rückschlag, dann kam noch die Verletzung dazu – kein optimaler Saisonstart.

Ihr Vertrag läuft im Sommer 2025 aus. Gab es schon Gespräche über eine mögliche Verlängerung?

Nein. Grundsätzlich kann ich mir vorstellen zu bleiben, fühle mich wohl hier im Verein und in der Stadt. Wir werden sehen, was passiert.

Zum Abschluss: Wenn Sie gegen Rostock am Samstag treffen, jubeln Sie…

…nicht, glaube ich. Aus Respekt vor den Leuten dort würde ich es nicht machen. Wenn es das 1:0 in der 90. Minute sein sollte, kann es natürlich auch anders sein (lacht)..


IV: MARCO BLANCO UCLES

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