Vielleicht ist Youngster Oscar Hojlund ein ganz gutes Beispiel dafür, wie perfekt bei Eintracht Frankfurt zurzeit ein Rädchen ins andere greift und die Maschinerie wunderbar geschmeidig am Laufen hält. Oscar Hojlund, Mittelfeldtalent aus Dänemark, hat seit Monaten nicht mehr mitspielen dürfen, ein Mittelfußbruch legte ihn lange auf Eis, es folgte erst die OP, dann die Qualen der Reha. Jetzt am Sonntag in Heidenheim bei diesem beeindruckenden 4:0-Statement schaffte es der 19-Jährige erstmals wieder in den Spieltagskader des so hoch fliegenden Bundesligisten aus dem Hessischen, er durfte ein paar Minuten reinschnuppern – und hinterließ einen herausragend guten Eindruck.
So ist das zurzeit bei Eintracht Frankfurt, es läuft wie am Schnürchen, alles passt, alles flutscht, jede Entscheidung sitzt; egal, wer spielt, es funktioniert. Es ist fast schon ein bisschen unheimlich. Trainer Dino Toppmöller kann auf 20, 21, 22 Spieler zurückgreifen, fast zwei komplette Mannschaften, ohne einen Einbruch befürchten zu müssen. Der 44-Jährige hat längst ein beachtliches Gefühl dafür entwickelt, welcher Spieler wann bereit ist für einen Einsatz. Bestes Beispiel ist sicher Nathaniel Brown, der lange auf seine Chance warten musste und dann raketenhaft durchstartete. Zwei Tore in den letzten vier Bundesligapartien, am Sonntag gleich drei Vorlagen am Stück – erstaunlich. Bundestrainer Julian Nagelsmann hat Linksverteidiger Brown – genauso wie Nnamdi Collins auf der anderen Seite – schon jetzt auf dem Schirm, wird sie weiter intensiv beobachten.
Die Frankfurter haben sich längst zur Mannschaft der Stunde aufgeschwungen, ganz hinten nähert sich Schlussmann Kevin Trapp seiner Topform, davor verteidigen sie mit einer stählernen Unnachgiebigkeit, im Mittelfeld schrubben sie Kilometer für Kilometer und vorne spielt Omar Marmoush Fußball wie von einem anderen Stern. Und: Die Eintracht lässt nicht nach, egal in welchem Wettbewerb. Seit neun Spielen ist sie ungeschlagen, acht Siege hat sie davon geholt, in der Bundesliga liegt sie mit 26 Zählern drei Punkte vor dem Meister aus Leverkusen, vier hinter den Bayern. Auch die Tordifferenz ist oft ein Indikator für die Frage, Spitzenmannschaft oder nicht. Lässt sich leicht beantworten: Die Frankfurter weisen plus 15 auf, das ist ein Top-Wert, der zweitbeste nach den Bayern (plus 29). Apropos Bayern: Der neu aufgelegte Evergreen der Fans – „Deutscher Meister wird nur die SGE!“ – hört sich plötzlich gar nicht mehr so ironisch an.