Raus aus der Opferrolle

von Redaktion

Leipzig seit sechs Partien sieglos – Job-Endspiel für Trainer Marco Rose

Bleibt er den Bullen erhalten? Die Zukunft von Marco Rose in Leipzig hängt auch vom Pokal-Spiel gegen Frankfurt ab. © afp

Leipzig – Endspiel schon im Achtelfinale: Für RB Leipzigs Trainer Marco Rose könnte die ultraschwere DFB-Pokal-Aufgabe gegen Eintracht Frankfurt am Mittwoch (20.45 Uhr/Sky und ZDF) die letzte als Coach des ambitionierten Clubs werden. Nach der Erfolglos-Serie von sechs Spielen ohne Sieg ist Rose nicht nur angezählt, sein Job ist trotz aller branchenüblichen Treuebekundungen des Managements in höchster Gefahr. Das weiß auch Rose.

„Ich, wir, die Entscheidungsträger sind jetzt von jedem Spiel abhängig, dass wir wieder ein Erfolgserlebnis einfahren. Ich kann sagen, was ich will: Ich brauche einen Erfolg, um das Thema wieder zu beruhigen oder wir werden es weiter befeuern“, sagte Rose. Seit zwei Jahren ist der gebürtige Leipziger bei RB im Amt, lange galt er als absolute Wunschlösung der Clubspitze.

Von den jüngsten Turbulenzen will Rose sich nicht beirren lassen. „Ich bin die Ruhe selbst, ich stehe gerade. Ich weiß, was wir können und was wir gerade nicht können, was uns ein Stück weit fehlt“, sagte er.

Er wisse auch nicht, was ein anderer an seiner Stelle gerade anders machen könne. „Vielleicht ein anderes Gesicht, eine andere Ansprache. Aber inhaltlich gibt es gerade nicht viele Alternativen“, sagte Rose.

Die Situation ist schon kurios. Noch im Oktober wurde Rose als „Glücksfall für RB“ von den Bossen gefeiert. 19 Bundesligaspiele am Stück nicht verloren, bester Saisonstart seit Bundesliga-Zugehörigkeit, punktgleich mit den Bayern auf Platz zwei – viel mehr ging nicht. Doch dann begann der November und mit der Niederlage bei Borussia Dortmund (1:2) nach einer überaus dürftigen und ängstlichen Vorstellung kam die Tristesse.

Fünf Niederlagen wettbewerbsübergreifend hagelte es mit dem Tiefpunkt am vergangenen Samstag: 1:5 gegen den VfL Wolfsburg vor heimischem Publikum.

Viele hatten schon da mit dem Rauswurf gerechnet, in der Analyse des November-Blues aber lautete die Erkenntnis: All zu viel hat Rose gar nicht falsch gemacht. Und er hat die Kabine nach wie vor hinter sich. „Marco macht es herausragend, er passt einfach zu uns, weiß genau, wie wir spielen wollen“, sagte Kapitän Willi Orban nach der Wolfsburg-Pleite.

Und auch die Fans lieben ihren „Leipziger Jungen“, Rose-raus-Rufe gab es bislang nie. Zudem kreist die These, dass bis zum Amtsantritt von Jürgen Klopp als „Head of Global Soccer“ bei Red Bull eine so heikle Personalentscheidung nicht getroffen werden soll.

Und nun kommt der Bundesliga-Zweite Eintracht Frankfurt, eine „bärenstarke Mannschaft, der momentan alles zu gelingen scheint“, wie Rose es zusammenfasst: „Wir müssen aus dieser Opferrolle raus, dürfen nicht so verteidigen wie gegen Wolfsburg. Wir müssen versuchen, das, was wir eigentlich können, auf den Platz zu bekommen.“ Und der angeschlagene Chefcoach findet es vermutlich gar nicht so schlecht, dass seine Mannschaft einmal nicht in der Favoritenrolle ist.
DPA

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