Zur NHL-Feier nach Edmonton: Don Jackson. © dpa/Balk
Nebenjob für Ungarn: Pat Cortina. © imago
München – Erst Interims-, dann offizieller Cheftrainer: Seit zwei Monaten trägt Max Kaltenhauser beim EHC Red Bull München die sportliche Verantwortung. Allerdings: Von 15 Spielen verpasste er zwei. In Iserlohn am 21. November fiel der 43-Jährige wegen einer Zahn-Operation aus, am Sonntag fehlte er in Mannheim wegen „dringenden persönlichen Gründen“. Diskussionen in der Fanszene: Geht das so ohne Weiteres? Muss Schmerz nicht mit Medikamenten bekämpft und muss Privates hintangestellt werden?
Nun, für Trainer gelten die selben Gesetze wie in der normalen Arbeitswelt auch. Also gibt es Anlässe, die es vertretbar machen, der Arbeit fernzubleiben. Was vergessen wird: Auch frühere Münchner Eishockey-Trainer waren nicht immer da.
Pat Cortina, mit dem der EHC 2010 in die DEL aufstieg, hatte noch einen Zweitjob, dem vertraglich sogar Vorrang eingeräumt wurde. Cortina war nämlich auch Nationaltrainer von Ungarn. 2009 überschnitten sich die erstmalige Teilnahme Ungarns an einer A-Weltmeisterschaft – mit Tausenden mitgereisten Fans – in der Schweiz und die Zweitliga-Playoffs des EHC. Die Lösung: In München stand vertretungsweise Manager Christian Winkler an der Bande.
Don Jackson, der Säulenheilige des Münchner Eishockeys, viermaliger Meistercoach, reiste 2014 bereits am dritten Wochenende seiner Amtszeit beim EHC nach Edmonton. Bei den Oilers stieg zum Saisonauftakt in der NHL die große Wiedersehensfeier der Stanley-Cup-Helden von 1984, und zu ihnen gehörte auch der frühere Verteidiger Don Jackson. Das Klassentreffen nach 30 Jahren ließ er sich nicht nehmen, die Teilnahme hatte er sich sogar vertraglich zusichern lassen. Er verpasste aber nur das Freitagsspiel in Mannheim, er schaute es im Internet live an und schrieb mit Christian Winkler hin und her. Am Sonntag zum Heimspiel gegen Augsburg war er zurück an der Münchner Bande.
Ende Januar 2020 nahm Don Jackson eine Auszeit und weilte zwei Wochen in Kansas City, wo seine Ehefrau Nancy sich einer medizinischen Behandlung unterzog. Es wurde zunächst mit einer längeren Absenz gerechnet – und einem Fehlen des Trainers in den Playoffs. Doch weil eine geplante Operation bei Nancy auf den Sommer verschoben wurde, kehrte Jackson nach München zurück. Kurz darauf allerdings war die Saison beendet. Ohne Playoffs – die Corona-Pandemie begann ihre Kreise zu ziehen. In der folgenden Saison, 2020/21, waren auch zahlreiche Trainer vom Virus betroffen.
Heftig angeschlagen war Jacksons Nachfolger in München, Toni Söderholm, in der vergangenen Saison. An einem Freitagabend im Januar 2024 hielt er sich mit Mühe auf den Beinen, am Samstag war er nicht in der Lage, das Training zu leiten, am Sonntag kam er mit Fieber zum Spiel, coachte und verschwand danach sofort wieder ins Bett. Weil damals auch Co-Trainer Pekka Kangasalusta kurzfristig wegen einer Gehirnerschütterung ausfiel, hatte der EHC vorsorglich Altmeister Don Jackson gebeten, sich bereitzuhalten.
Auch in anderen DEL-Clubs ist es schon vorgekommen, dass man ohne den Cheftrainer auskommen musste. Serge Aubin von den Eisbären Berlin nahm im Januar 2020 an einer Trauerfeier seiner Familie in Kanada teil und verpasste zwei Spiele. Im Dezember 2019 musste der Nürnberger Coach Kurt Kleinendorst heim in die USA. Sein Bruder war nach einem Arbeitsunfall in einer Papierfabrik ins Koma versetzt worden; zehn Tage danach verstarb er. Kurt Kleinendorst flog zweimal hin – um Abschied zu nehmen und zur Beisetzung. Dazwischen ging er seinem Job in Nürnberg nach.
Einmal kam es sogar vor, dass ein Trainer sich todkrank an die Bande stellte. 2007 coachte Ron Kennedy den ERC Ingolstadt, obwohl bei ihm ein Hirntumor entdeckt worden war. Playoffs und Chemotherapie überschnitten sich. Kennedy wollte nicht weichen. Zwei Jahre später starb er.
GÜNTER KLEIN