Wolff Fuss ist bei der Icon League Team-Besitzer.
„The Pack“ steht am Sonntag in München im SAP Garden im Finale. © Instagram (2)
München – Wolff-Christoph Fuss ist eine der markantesten Stimmen im deutschen Fußball-Fernsehen. Wann immer große Spiele laufen, ist Fuss zu hören. „Als der liebe Gott die Röhre vergeben hat, habe ich offenbar laut ‚hier’ geschrien – und ein bisschen Glück gehabt, weil sie äußerst zuverlässig funktioniert.“
Weit über 1000 Partien hat Fuss in seiner Karriere bereits kommentiert. Seit rund fünf Monaten lernt er den Fußball allerdings von einer ganz anderen Seite kennen. Denn: Fuss ist Team-Besitzer. Er hat zusammen mit dem ehemaligen Bundesliga-Stürmer Simon Terodde eine eigene Mannschaft in der Icon League.
Das Team hört auf den Namen „The Pack“ und ist am Sonntag beim Finale im SAP Garden ebenfalls vertreten. Die Kleinfeld-Liga von Toni Kroos und Elias Nerlich zieht derzeit alle in ihren Bann: Die Hallen sind ausverkauft, die Zuschauerzahlen im Internet gigantisch. Die Icon League hat einen absoluten Boom ausgelöst – und der beliebte Sport-Kommentator ist mittendrin – dieses Mal aber auf der anderen Seite des Spiels.
Fuss sagt über seine Erfahrung gegenüber unserer Zeitung: „Die Icon League war für mich bisher ein absoluter Crashkurs. Sie lässt mich aus einem anderen Blickwinkel auf den Fußball schauen und sogar mitwirken. Ich habe Dinge erfahren und gelernt, die mir bisher weitestgehend fremd waren.“ Bisher saß Fuss auf der Tribüne und hat das Spiel kommentiert. Von oben draufschauend.
Als Teamhead von „The Pack” hat sich seine Rolle komplett verändert: „Ich kannte den beleuchteten Teil des Fußballs – also die Welt, die vor den Kameras stattfindet. Nun habe ich den unbeleuchteten intensiv kennengelernt. Ich hospitiere quasi bei einem Fußball-Team in der Kabine. Ich sammle Erfahrungen, die für meinen Hauptjob als Kommentator bereichernd sind. Ich habe gelernt, wie sich kleinste Befindlichkeiten auf ein ganzes Team und die Stimmung in einer Mannschaft auswirken können.“
Zum Beispiel als der ehemalige Bundesliga-Profi Danny Latza (früher Darmstadt, Bochum, Mainz, Schalke) mit 35 Jahren plötzlich ein Angebot von Fortuna Düsseldorf bekommen hat und dem Team den Rücken kehrte. „So etwas macht etwas mit einer Mannschaft, was ich in dieser Intensität nun hautnah und von anderer Seite erfahren habe“, erinnert sich Fuss.
Durch seine Teammanager-Tätigkeit hat Fuss die Kabine von innen kennengelernt und beschreibt sie als „ein eigener, ganz sensibler Mikrokosmos, der durch kleineste Dinge beeinflusst werden kann. Dank der Icon League bin ich im unbeleuchteten Teil einer Kabine, die bei uns von einem Rudel erfolgshungriger Jungs besetzt ist“. Kurios: Die TV-Stimme muss nun selbst fragen von Reporter-Kollegen beantworten und muss sich ganz genau überlegen, was die Wortwahl innerhalb seiner Mannschaft auslöst: „Dabei habe ich mich auch schon ganz bewusst gegen eine authentische Antwort entschieden und eher eine Schublade geöffnet und eine typische Phrase rausgeholt, weil es im Sinne der Mannschaft besser war, so zu antworten.“ Mal schauen, ob sich Fuss nach dem Finale am Sonntag für authentische Antworten oder Schubladen-Phrasen entscheiden wird.
BOK, PK