Ab sofort im Fokus: Peretz vertritt Neuer. © IMAGO/Feil
München – Daniel Peretz ist es gewohnt, in der zweiten bzw. dritten Reihe zu stehen. Aber dass der Ersatzkeeper des FC Bayern nun, wo er endlich für ein paar Spiele die Hauptrolle spielt, wieder nicht das Thema Nummer eins ist, ist irgendwie bezeichnend. Ein paar Stunden nämlich, bevor Peretz am Dienstagabend zu seinem Champions-League-Debüt kam, ließ Lothar Matthäus mit Blick auf die Torwartposition beim Rekordmeister via „Sky“ verlauten: „Die Bayern befinden sich in einer komfortablen Situation, steht Alexander Nübel als Neuer-Ersatz doch schon parat. Mit ihm hat man meiner Meinung nach den perfekten Nachfolger.“ Peretz? Erwähnte der 63-Jährige nicht mit einem Wort.
Gegen Donezk, in Mainz und gegen Leipzig darf Peretz zeigen, was er kann
Dass der 23-Jährige noch nicht auf dem Radar der sogenannten Experten ist, ist aber nur logisch. Denn anders als Nübel, der für Matthäus als Leihspieler beim VfB Stuttgart „in seiner Außendarstellung einen guten und stabilen Eindruck macht“, ist der Israeli erst seit seit Kurzem sichtbar. Die Einwechslung nach der Roten Karte gegen Leverkusen war ein Anfang, am Samstag gegen Heidenheim (4:2) vertrat Peretz Neuer dann zum ersten Mal über 90 Minuten in der Liga. Seit Anfang der Woche weiß er, dass bis zur Winterpause noch drei Partien auf ihn warten. Gegen Donezk, in Mainz und gegen Leipzig darf Peretz zeigen, dass womöglich auch er das Zeug hat, Neuer-Nachfolger zu werden.
Für die Bayern, aber auch Peretz selbst, ist die Chance nicht ganz unpassend. „Er hat es sich verdient“, sagte Trainer Vincent Kompany zur Bewährungsprobe, die sich dem fast schüchtern wirkenden Peretz nun zwei Wochen lang bietet. Leichte Abstimmungsprobleme wie bei den Heidenheim-Toren sollten ab sofort nicht mehr vorkommen, „er muss einfach sein Spiel spielen“. Wenn Mitspieler wie Konrad Laimer mit Blick auf Peretz Worte wie „abgeklärt“ und „ruhig“ verwenden, tut dem Königsklassen-Neuling das gut.
Mit Kampfansagen hält er sich dennoch zurück – vielmehr schließt Peretz eine Leihe nicht aus. Denn auch er weiß, was Matthäus ausspricht: Die Entscheidung, wann der Platz im Bayern-Tor vakant ist, „wird letztlich Neuer treffen“. Der Mann, der nur die erste Reihe kennt.
H. RAIF, M. BONKE