Auswärts daheim

von Redaktion

Der EHC München findet zur Konstanz über 60 Minuten – Hauptprinzip: „Nah am Mann“

Die Schnauze voll nach dem fünften Gegentreffer: DEG-Tormann Henrik Haukeland lässt seine Ausrüstung büßen. © IMAGO

Chancen konsequent verwertet: Chris DeSousa mit einem seiner beiden Treffer in Düsseldorf. © Eibner

München – Die Zahlen sind eindeutig. Der EHC Red Bull München ist auswärts besser als in den Heimspielen.

DEL-Heimtabelle: Gemessen am Punkteschnitt pro Partie Platz zehn mit 1,533 bei 46:44 Toren.

DEL-Auswärtstabelle: 2,083 Zähler pro Auftritt, 47:31 Tore, Platz zwei.

Zu Beginn der Saison, damals noch unter Toni Söderholm, als der SAP Garden noch auf seine Inbetriebnahme wartete, musste der EHC erst einmal ausschließlich in der Ferne ran. Er gewann 7:5 in Iserlohn und 3:2 in Frankfurt, beides waren aus Münchner Sicht glückliche Resultate. Zwei Tage nach Eröffnung der neuen Halle gegen das NHL-Team der Buffalo Sabres gelang dem EHC ein überraschend klares 6:2 in Straubing, das da aber in eine Krise gerutscht war.

Das vergangene Wochenende aber setzt sich über alle Relativierungen hinweg. Am Freitag in Berlin glänzte der EHC München mit einem 4:1 beim Meister Eisbären Berlin, am Sonntag in Düsseldorf mit einem 8:0.

8:0, was für ein wuchtiges Ergebnis. Man kann es natürlich begründen mit dem desolaten Zustand des einstigen Renommierclubs, der tief in den Abstiegskampf verstrickt ist. Bezeichnend das Auftreten von Henrik Haukeland. Der norwegische Torhüter, der 2021/22 eine halbe Saison sehr stabil für München spielte, zertrümmerte in der 27. Minute nach dem (durchaus haltbaren) fünften Gegentreffer durch Maxi Daubner seine Kelle am Torgestänge, anschließend fuhr er direkt in die Kabine. Es war nicht das erste Mal, dass Haukeland zum Ausdruck brachte, wie wenig er von seinen Mitspielern hält. Hätte er sich nicht im letzten Drittel fügsam als Ersatzmann auf die Bank gesetzt, wäre es für den Düsseldorfer Großverdiener arbeitsrechtlich wohl eng geworden. „Meine Gefühle dazu behalte ich bei mir“, sagte DEG-Trainer Steve Reinprecht, der zu seiner Spielerzeit in Nürnberg der Ziehvater von Yasin Ehliz war, der nun für München ein Vier-Punkte-Spiel (zwei Tore, zwei Vorlagen) ablieferte.

Am 11. Oktober hatte der EHC zuhause gegen die DEG im Penaltyschießen verloren, am nächsten Vormittag erfolgte die Trennung von Toni Söderholm – angesichts dieser Vorgeschichte wirkt ein 8:0 im Rückspiel natürlich noch imposanter. Max Kaltenhauser bemühte sich aber um eine nicht zu euphorische Einordnung: „Das frühe Tor“ – Andi Eder traf bereits in der 2. Minute – „hat uns Rückenwind gegeben und die Dinge einfacher gemacht. Wir hatten auch Glück bei unseren Chancen, ich hatte das Gefühl, dass vieles auf unsere Seite gefallen, dass es einfach kumuliert ist.“

Doch im Verbund mit dem 4:1 zwei Tage zuvor in Berlin lässt sich schon auch sagen, dass der EHC für den Moment die richtige Haltung zum Spiel gefunden hat. „Wir haben es die Woche über angesprochen, dass wir mehr auf uns schauen müssen“, berichtete Maxi Kastner. Die Prinzipien lauten: „Wir haben analysiert, dass wir näher am Mann sein müssen, dem Gegner nicht Zeit und Raum geben dürfen – sonst zaubert auch die DEG.“ Torwart Mathias Niederberger, der seinen 37. Karriere-Shutout feierte, erklärt: „Dadurch, dass wir enger am Mann spielen, machen wir es dem Gegner schwer, die Scheibe lange zu halten. Und wir spielen 60 Minuten konstant – das ist uns nicht oft gelungen in dieser Saison.“ Und in den Heimspielen eben seltener als auf auswärtigem Eis – wobei auch das 3:1 gegen Straubing vor einer Woche im SAP Garden schon ein Werk von Konzentration und Disziplin war.

Dass die Eingewöhnung in die neue Umgebung und den Alltag Monate in Anspruch nehmen würde, das hatte bereits Toni Söderholm erläutert. Wie es auswärts ist, das kennt man seit Jahren. Am Freitag geht es nach Mannheim. Vertrautes Terrain.
GÜNTER KLEIN

Artikel 1 von 11