Gezeichnet und schick: Boxer Nelvia Tiafack. © IMAGO
Gesangseinlage: Kugelstoßerin Yemisi Ogunleye. © IMAGO
Olympiasieger Oliver Zeidler bekam die Trophäe von Vater Heiner überreicht. © Weißbrod/dpa
Prägten das Sportjahr: Die Sportgymnastin Darja Varfolomeev (l), der Ruderer Oliver Zeidler (vorne) und die 3×3-Basketballerinnen Elisa Mevius (2.v.l), Svenja Brunckhorst (M-r), Sonja Greinacher und Marie Reichert. © Weißbrod/dpa
Baden Baden – Oliver Zeidler gab sich mit Getränk in der Hand der Partymusik hin, Darja Varfolomeev versuchte sich an der Dartscheibe. Und die 3×3-Basketballheldinnen erfüllten auch wirklich jeden Fotowunsch. Die Stars des Abends feierten jeweils auf ihre Weise, doch sie alle schienen dabei gelöst und befreit. Denn sie alle waren zuvor im Kurhaus von Baden-Baden für ein grandioses Sportjahr 2024 gekrönt worden – dank ihrer famosen Olympiatriumphe von Paris.
Rührende Worte von Vater Heino
Ruderer Zeidler hatte in Frankreich sein Tokio-Fiasko vergessen gemacht und sich auf beeindruckende Weise zu Gold gekämpft. Bei der 78. Sportlerwahl setzte er sich hauchdünn vor Schwimmer Lukas Märtens durch – auf der Bühne gab es rührende Worte von Vater und Trainer Heino.
Auch Darja Varfolomeev und die 3×3-Basketball-Nationalmannschaft der Frauen durften sich freuen: Varfolomeev hatte sich in Paris zur ersten deutschen Olympiasiegerin in der Rhythmischen Sportgymnastik überhaupt gekürt, das Basketball-Quartett mit Svenja Brunckhorst, Sonja Greinacher, Marie Reichert und Elisa Mevius war in Paris völlig unverhofft auf den Gold-Thron gestürmt.
Die Geehrten genossen den Abend sichtlich – konnten und wollten den ernsten, sportpolitischen Themen aber doch nicht entfliehen. „Wir haben aktuell einen Bundesstützpunkt“, sagte Brunckhorst über die Situation des 3×3-Basketballs in Deutschland. „Wir haben kaum eine Basis, wo wir zusammen trainieren. Für ein Land, das gerade den Olympiasieg geholt hat, ist das definitiv zu wenig“, mahnte die 33-Jährige an.
Auch Varfolomeev hofft, ihrer Sportart durch ihren Olympiasieg Rückenwind zu verleihen. „Es sind ganz viele Medienanfragen gekommen“, erzählte sie, „das hilft meiner Sportart, bekannter zu werden.“ Die 18-Jährige reist durch Europa und um die Welt, um jungen Talenten die Rhythmische Sportgymnastik näher zu bringen. In Deutschland aber sei das Interesse noch ausbaufähig.
Zeidler weiß ebenfalls um die Hürden seines Sports. „Rudern ist eine akademische Sportart“, sagte er. „Die Überwindung für junge Leute, zum Ruderklub zu gehen und es auszuprobieren, ist einfach noch zu hoch.“ Er sehe Rudern deshalb weiter als Randsportart – und zeigte sich umso mehr stolz, dass er als zweiter Ruderer nach Peter-Michael Kolbe, der 1975 gewann, als Sportler des Jahres geehrt wurde.
Doch Zeidler wurde noch grundsätzlicher, als es um den deutschen Spitzensport im Allgemeinen ging: „Wir befinden uns immer noch in einer Krise. Der Medaillenspiegel sieht nicht rosig für uns aus.“ Die bei Olympia erfolgreichen Sportler seien erfolgreich gewesen in einem Fördersystem, „das eigentlich nicht für Spitzenleistungen ausgelegt ist“, betonte der 28-Jährige. Er hoffe, dass sich mit einer neuen Bundesregierung etwas ändere.
20 000 Euro für Gold in Paris
20 000 Euro Prämie erhielten die deutschen Olympiasieger von Paris jeweils für ihre Goldmedaillen. Werden potentielle Talente von solchen Summen angelockt? Darja Varfolomeev erinnerte daran, dass das Geld ja auch noch versteuert werden musste. Ihre Prämie wolle sie sich für die Zukunft aufheben, sagte sie. Die eigentliche Frage beantworten wollte sie lieber nicht.
SID