Soll weiterhin Neuers Nachfolger werden: der aktuell an Stuttgart verliehen Alexander Nübel. © Kienzle/AFP
Neu-Papa Neuer machte im Allgäu auch die kleinsten Fanclub-Mitglieder glücklich. © Instagram
München – In Dietfurt, inmitten des Altmühltals, hat man den Braten schon gerochen. Denn für den Fan, der sich am Sonntagnachmittag das Mikrofon geschnappt hat, war die Sache ganz klar. Dass der FC Bayern letzte Woche Einspruch gegen die zwei Spiele Sperre eingelegt hat, die Manuel Neuer für sein Einsteigen im verlorenen Pokal-Achtelfinale gegen Leverkusen in der kommenden Spielzeit aussitzen muss, war in den Hallen des „Fanclubs Red China Stars“ eindeutig „ein Wink mit dem Zaunpfahl“. Die logische Schlussfolgerung, die beim Fanclub-Besuch von Jan-Christian Dreesen viel Applaus erntete: Der derzeit verletzte Keeper hängt noch mindestens eine Saison dran beim FC Bayern. „Oder, Herr Dreesen?“ Der Vorstandsvorsitzende lachte.
Es war kein Ja, es war kein Nein, aber man kann in der Causa Neuer inzwischen gut – und seit Sonntag noch mehr – zwischen den Zeilen lesen. Obwohl Neuer 38 ist, obwohl die Diskussion um seine Leistungen die bisherige Saison stetig begleitet hat, obwohl er derzeit verletzt ist stehen die Zeichen auf Verlängerung seines aktuell bis 2025 datierten Vertrags. Dass das im Sinne des Kapitäns ist, der noch lange nicht genug hat, ist nur logisch. Neuer aber plauderte bei seinem Auftritt im Allgäu aus, was man auch aus dem Inneren des Vereins vernehmen kann: „Ich denke, beide Seiten würden gerne gemeinsam weitermachen. Aber es besteht keine Eile. Ich muss erst einmal fit werden.“
Ist Neuers Rippe wieder heil, sind sich die Verantwortlichen einig, dass er zwar nicht mehr auf dem konstanten Weltklasseniveau seiner besten Zeiten spielt, aber immer noch besser ist als jede Alternative, die der FC Bayern hat. „Wir werden wieder den besten Manuel Neuer sehen“, sagte Vincent Kompany in Obing und fügte mit Blick auf die anstehende Zukunftsentscheidung an: „Wir wollen uns von außen nicht unter Druck setzen lassen.“ Als „kleine Familie“ spreche man aktuell miteinander, die Entscheidung wird „zusammen“ fallen. Der Coach ließ aber auch durchleuchten, dass Neuer als „Legende, die so viel für den Verein erreicht hat“, mithelfen soll, die Zeit nach ihm einzuleiten.
In diesem Prozess befinden sich die Bayern gerade, die Gedankenspiele sind vielfältig. Und Dreesen gab zu: „Das ist gar nicht so einfach, denn so ein toller Torwart, der verdient es, dass er spielen kann und man mit der Situation verantwortungsvoll umgeht.“ Ein Übergang, der Neuer ein würdiges Ende beschert, aber gleichzeitig einen neuen Neuer aufbaut, wäre die optimale Lösung. Dass es aber „schwer“ ist, „einen Torhüter zu finden, der auf dem gleichen Niveau und trotzdem bereit ist zu kommen, obwohl er auf der Ersatzbank sitzt“, führte Dreesen vor den Fans gerne aus. Für Daniel Peretz etwa ergibt sich jetzt, eineinhalb Jahre nach seinem Wechsel nach München, erstmals die Gelegenheit für etwas Spielpraxis. Der Israeli aber soll erstmal ausgeliehen werden. Man spricht über andere.
Alexander Nübel wäre die naheliegendste Option. Die Bayern beobachten die Leistungen des Nationalkeepers in Stuttgart wohlwollend, einen Freifahrtschein aber kriegt er nicht. Die Tendenz geht zum Verbleib in Stuttgart, während Neuer in seiner letzten Saison 2025/26 einen jungen Mann an die Seite gestellt kriegt, der von ihm lernt. Der Name Jonas Urbig (21/Köln) fällt immer wieder. Womöglich weiß man in Dietfurt schon mehr.
HANNA RAIF, MANUEL BONKE