Der Sport weint um Wolfermann

von Redaktion

Speerwurflegende & Olympiaheld mit 78 gestorben – 1972 war größter Erfolg

Rivalen: Wolfermann mit Janis Lunis (r.). © imago

Sportheld: Wolfermann im Haus der Geschichte. © imago

Sein großer Wurf: Bei den Olympischen Spielen 1972 in München holte Wolfermann die Goldmedaille. © imago

München – Das letzte Mal, dass Klaus Wolfermann sich meldete, war im September 2023. Die Weltmeisterschaften in Budapest lagen gerade hinter der deutschen Leichtathletik, das Abschneiden war mal wieder ernüchternd. Das wühlte ihn auf, er fand die deutschen Teilnehmer zu anspruchslos im internationalen Wettkampf. Er wollte überprüfen, ob das nur seine Meinung wäre oder wie andere es sähen. Dann rief er halt auch mal bei einem Journalisten an, um das Thema zu diskutieren. „Das Deema“ – so klang das bei ihm, Klaus Wolfermann stammte aus Franken.

Nun ist Klaus Wolfermann gestorben. Mit 78. Und diese kleine Geschichte sagt schon viel über ihn aus. Er war ein großer Netzwerker, der wichtigste einer Generation, die in Deutschland einen besonderen Status erreichte: Die Stars der Olympischen Spiele 1972 in München. Wolfermann gewann Gold im Speerwerfen. Eine Sensation. Wer es miterlebte, wurde die Zahlen dazu nie mehr los: Klaus Wolfermann 90,48 Meter, Janis Lusis 90,46 Meter. Lusis aus der UdSSR galt als unbezwingbar, doch Wolfermann spürte in diesem Wettkampf, wie seine Chance wuchs. Ein Zeichen der Nervosität beim großen Konkurrenten: „Er aß seinen Apfel nicht zu Ende, warf ihn weg.“ Als Wolfermann gewonnen hatte, entschuldigte er sich bei Lusis.

Sie waren echte Freunde. Lusis, der aus Lettland stammte, hatte als verdienter Athlet Sonderrechte, konnte in den Westen reisen. Er wohnte dann immer bei den Wolfermanns in Penzberg. „Du kannst bleiben, solange du willst“, sagte der Hausherr. Wolfermann machte viel im Bereich Charity, seine Kartei von Prominenten umfasste Tausende Namen. Er trieb Gelder für deutsche Leichtathleten auf und für Münchner und oberbayerische Sporttalente. Und er hielt die Generation von 1972 zusammen. Nicht nur die Westler, auch die damaligen DDR-Sportlerinnen und Sportler. So kehrte Kornelia Ender, einstige DDR-Wunderschwimmerin, in München mit 13 jüngste Teilnehmerin der Spiele, regelmäßig bei ihm ein, wenn sie auf dem Weg in den Winterurlaub war. 1972 war sein Lebensglück, er empfand das auch als Lebensverpflichtung. Sein Tod reißt eine Lücke. Man kann gar nicht glauben, dass sie entstand, weil er immer voller Energie war. Wenn man selbst bei Wolfermanns anrief, war meistens Friederike am Hörer: „Klaus trainiert in seinem Fitnessraum. Ich schau mal.“ Lieselott Linsenhoff, die Dressurreiterin, Schütze Conny Wirnhier, das Springreiter-Quartett um Hans-Günter Winkler, Boxer Dieter Kottysch, nun Klaus Wolfermann – es sind schon einige, deren Name mit München 1972 verbunden ist, gegangen. Die Zeitzeugen werden weniger, aber es sind noch etliche präsent von den Gold-Dekorierten: aus dem Bahnradvierer mit Hans-Johann Färber, dem Opa des aktuellen Sportlers des Jahres, Oliver Zeidler oder 100- und 200-Meter Olympiasiegerin Renate Stecher aus Jena und Karin Büttner-Janz, die Turnkönigin der DDR. Aber jetzt haben sie den verloren, der keinen von ihnen vergaß.
GÜNTER KLEIN

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