„Eine Katastrophe“

von Redaktion

Arena-Stau beschäftigt Bayern – Dreesen stellt neue Maßnahmen in Aussicht

Nimmt sich die Wünsche der Fans zu Herzen: Bayerns Vorstandsboss Dreesen. © IMAGO/Feil

Gewohntes Bild bei Heimspielen des FC Bayern: Tausende PKWs stehen besonders nach Spielschluss im Stau. © IMAGO/Schueller

München – Das Urteil des Vorstandsvorsitzenden lässt keine zwei Meinungen zu. Als Jan-Christian Dreesen am Sonntag bei seinem Fanclub-Besuch in Dietfurt zum leidigen Thema „Stau rund um die Allianz Arena“ befragt wurde, sagte er geradeaus raus: „Das Abfahren ist eine Katastrophe.“ So oder so ähnlich fühlen es auch die mehreren Tausend Autofahrer, die nach Heimspielen des FC Bayern teils mehr als zwei Stunden nach Abpfiff noch stehen, stehen und stehen. Und die einfach nicht nachvollziehen können, warum man die Situation auf der Werner-Heisenberg Allee und damit der Umfahrung der Allianz Arena nicht besser in den Griff bekommen kann.

„Wir haben ganz viele Dinge schon ausprobiert“, sagt Dreesen – und bestätigt damit, dass das leidige Thema auch bei ihm und den Kollegen der Allianz Arena München Stadion GmbH seit Langem auf der Agenda steht. Vorübergehende Spursperrungen, zwangsweises Einfädeln auf einzelne Spuren: Alle bisher temporär umgesetzten Maßnahmen haben nicht den erwünschten Erfolg gebracht. Fünf Parkhäuser, insgesamt 20 Spuren münden vor der Auffahrt auf die A9 auf vier Autobahnzubringer-Spuren. Dazu die deutlich gestiegene Anzahl der PKW-Anreisen – vor allem bei Abendspielen, sagt Dreesen, ist diese Kombination „toxisch“.

In der Tat ist bei den Heimspielen des FC Bayern, von denen am Freitag (20.30 Uhr) gegen RB Leipzig das letzte im Jahr 2024 stattfindet, eine signifikant höhere Auslastung der PKW-Parkplätze festzustellen als vor der Corona-Pandemie. Der Wunsch der Fans, weniger beengt als in der U-Bahn nach Fröttmaning zu reisen, wird auch immer wieder an den Verein herangetragen. Hinzu kommt, dass sich auch das Ausfahrverhalten aus den öffentlichen Parkhäusern – das haben sogar Messungen ergeben – enorm verändert hat. Weil immer mehr Zuschauer die Spiele mit Blick auf den drohenden Stau ein paar Minuten früher verlassen, beginnt der Rückstau auf der Werner-Heisenberg-Allee bereits mit dem Schlusspfiff. Diejenigen, die hinter den öffentlichen Parkhäusern P1 bis P3 aus den Parkhäusern S0/S1 ausfahren wollen, sind in der Ausfahrtmöglichkeit schon ab dann stark eingeschränkt – das Unheil nimmt seinen Lauf.

Auch der Chef des FC Bayern steht im Stau, eine Sonderbehandlung gibt es für VIPs nicht. Und auch er merkt, dass sich die Anzahl der PKWs von früher im Schnitt 7000 auf weit mehr als 10 000 gesteigert hat. Der Verzicht auf Schranken bei der Ausfahrt hat zusätzlich zu einer erhöhten Verkehrslast geführt, die Gefahr von Unfällen stieg spürbar.

Intern spricht man von einer unangenehmen Verkehrssituation, Dreesen gab öffentlich zu: „Ich habe leider keine echte Antwort.“ Aber der 57-Jährige konnte immerhin den Willen unterstreichen, weiterhin neue Modelle zu testen. Wie unsere Zeitung erfuhr, soll sogar kurzfristig eine neue Maßnahme umgesetzt werden, die den viel zu starken Druck aus den Parkhäusern drosselt und den Zufluss auf die Werner-Heisenberg-Allee stärker harmonisiert.

Weil aber das Grundproblem bleibt – der Fakt, das bis zu 13 500 PKWs und 350 Busse über zwei Mal zwei Fahrspuren auf die Autobahn gelangen müssen –, gibt Dreesen sich nicht wirklich optimistisch. Einen Versuch ist es wert, sagt er, aber: „Ich kann nicht versprechen, dass es besser wird.“
HANNA RAIF

Artikel 1 von 11