Das Projekt startete Anfang November – Ziel ist die Challenge Roth
Ist der Sattel der richtige? In diesem Fall passt die Druckverteilung.
Zu Beginn des Termins vermisst Fitting-Experte Jimmy Koch den Kniewinkel.
Nachholbedarf bei der Beweglichkeit im Rücken: Redakteur Mathias Müller bekommt Übungen verordnet. © Achim Frank Schmidt (3)
München – Meine Füße sind nicht gleichmäßig nach außen rotiert. Bei der Kniebeuge weiche ich aus. Und die Beweglichkeit im unteren Rücken könnte besser sein. Ziemlich viele körperliche Baustellen, dabei sollte es bei meinem Treffen mit Jimmy Koch eigentlich um mein Fahrrad gehen und nicht um mich. Doch wer einen Bike-Fitting-Termin bei Formkurve bucht, der bekommt nicht nur sein Fahrrad auf die Optimalwerte eingestellt, sondern eine individuelle Lösung präsentiert. „Wir schauen immer auf beide Komponenten. Es wäre wichtig, dass du dich dehnst und mobilisierst, das kommt im Ausdauersport oft zu kurz“, sagt Koch und schickt mich gleich mit einer Übungsempfehlung auf die Matte.
Schon nach wenigen Minuten wird deutlich, warum es Sinn macht, sein Bike und sich aufeinander einstellen zu lassen. Für mich ist das Fitting nur ein Teil in der Zusammenarbeit mit Formkurve, die mir unter anderem auch den Trainingsplan für meinen Start bei der Challenge Roth (3,8 km Schwimmen, 180 km Rad, 42,2 km Laufen) im kommenden Juli aufstellen.
„Eigentlich bei allen Leuten, die zu uns kommen, passt es nicht optimal, selbst wenn das Rad vom Händler voreingestellt wurde“, erklärt Koch und fängt an, die Position meiner Gelenke zu messen. Wichtigster Orientierungspunkt ist neben einer optimalen Druckverteilung im Radschuh und auf dem Sattel der Kniewinkel, der auf einem Zeitfahrrad zwischen 140 und 150 Grad liegen sollte. Bei einem kleineren Winkel kann muskulär viel Kraft auf das Pedal gebracht werden. Aber Vorsicht: Eine tiefere Position führt zu einer schnelleren Ermüdung bei längeren Strecken und bringt mehr Belastung auf das Knie und vor allem die Kniescheibe. Die Einstellung ist also auch abhängig von der Strecke. In meinem Fall 180 Kilometer. Ergo stellen wir meinen Kniewinkel, mithilfe der Anpassung der Sitzhöhe und der Position des Sattels, auf rund 145 Grad ein.
Im Umkehrschluss bedeutet das alles auch: Selbst wenn ich theoretisch die Möglichkeit hätte, die Maschine von Hawaii-Sieger Patrick Lange zu fahren, würde das keinen Sinn machen. „Aerodynamik ist nur ein Faktor, wenn du körperliche Schmerzen hast, hilft sie dir auch nichts“, sagt Koch. Triathlon- und Rad-Profis, die ihre Bikes sehr gut kennen, merken schon bei ein paar Millimetern Abweichung einen Unterschied. Und auch bei Anfängern hätte eine Veränderung um mehr als einen Zentimeter schon eine große Auswirkung.
Mein nächstes Problem ist die Ferse. „Sie ist zu steil angestellt, dadurch trittst du weniger effizient“, sagt Koch. „Aber ähnlich wie beim Rücken ist auch das eine Frage, der Beweglichkeit.“ Auch meine Ellenbogen würde der Fachmann in Aeroposition – im Optimalfall liegen sie zwei, drei Zentimeter hinter den Pads – gerne ein wenig verschieben, doch dafür fehlen in meinem Fall aktuell noch die Einstellmöglichkeiten am Lenker – das nötige Equipment wird bestellt.
Dennoch: nach rund 90 bis 120 Minuten bin ich um einiges schlauer. Aber wie viel bringt mir das alles für meine Leistung, will ich von Koch wissen? „Fünf Prozent kann man mit allem zusammen herausholen, das ist im Leistungssport sehr viel.“ Wohl wahr.
MATHIAS MÜLLER