Giannikis wehrt sich!

von Redaktion

60-Coach sieht keinen Negativ-Trend – Reagiert 1860 auf die Abwehrsorgen?

Auch Raphael Schifferl (r.) wird „längerfristig“ ausfallen und die Verletzungssorgen in der Abwehr vergrößern. © IMAGO

Mehr Konstanz, bitte! Argirios Giannikis © IMAGO

München – Abhaken und weitermachen – das übliche Credo der Löwen-Verantwortlichen in dieser Drittliga-Saison nach einer fast schon traditionellen Heim-Pleite im Grünwalder Stadion. Doch das blamable 0:4 gegen den SC Verl am vergangenen Samstag lässt die Wut der Fans endgültig überkochen. Auch die starke Auswärtsbilanz kann nicht mehr kaschieren, dass der weiß-blaue Anhang maximal frustriert ist über die regelmäßigen Nicht-Leistungen in Giesing.

Im Zentrum der Kritik: Cheftrainer Argirios Giannikis. Der Deutsch-Grieche weist nach saisonübergreifend 37 Spielen als Löwen-Coach einen Punkteschnitt von 1,35 auf – zu wenig für die Ansprüche bei 1860. Der 13. Rang und die Heim-Flaute schmecken Giannikis nicht, betonte er wenige Tage nach dem Verl-Debakel: „Mit Platz 13 sind wir nicht zufrieden, keine Frage. Nach dem 0:2 dürfen wir uns nicht so verhalten – 0:4 am Ende ist maximal scheiße!“ Knackpunkt sei die Rote Karte (30.) gegen Soichiro Kozuki gewesen. Vorher hätten die Löwen – aus Sicht des Trainers – Verl gut aus dem Spiel genommen: „Natürlich hatten wir nach vorne wenig Möglichkeiten – aber Verl hatte gar keine.“

Dass die Löwen unter seiner Regie eine Weiterentwicklung vermissen lassen, sieht der 44-Jährige naturgemäß anders, er beruft sich auf Statistiken – mit einer eigenen Deutung: „Ich sehe es nicht so, dass wir keinerlei Fortschritte machen. Wenn man die ersten drei Saisonspiele nicht dazuzählt und das Spiel gegen Verl ausklammert, ist die Bilanz eine ganz andere. Da sehe ich schon, dass wir uns entwickelt und Ergebnisse geliefert haben – nur nicht in der erwünschten Konstanz. Es klingt momentan so, als würden wir jedes Spiel verlieren – tatsächlich haben wir vier aus den letzten 13 verloren.“

Zusätzlich zur Verl-Klatsche plagen die Löwen inzwischen große Verletzungssorgen in der Defensive. Nachdem sich Ende November bereits Kapitän Jesper Verlaat schwerer verletzt hatte, fiel kurzfristig auch noch dessen Stellvertreter Raphael Schifferl aus. Giannikis experimentierte, bot gegen Verl eine Dreierkette mit Max Reinthaler, Leroy Kwadwo sowie dem unerfahrenen Sean Dulic auf – Ergebnis bekannt.

Mittlerweile verkündete 1860, dass Schifferl – wie Verlaat auch – „längerfristig“ ausfallen wird, ohne die genaue Verletzung zu benennen. Beim Jahresfinale in Aue (Samstag, 14.03 Uhr) wird Giannikis sich also etwas einfallen lassen müssen. Trainingsstart ist am 3. Januar – zu früh für die beiden Abwehr-Stützen?. „Ich denke nicht, dass Schifferl zum Trainingsstart wieder fit ist, bei ihm wird es bis zum Frühjahr dauern. Bei Verlaat ist der Auftakt auch unsicher, aber wir werden ihn früher als Schifferl zurückhaben“, erklärt Giannikis. Aussichten, die bei 1860 die Alarmglocken schrillen lassen müssten. „Wir müssen gucken, ob im Winter etwas machbar ist. Geschäftsführer Christian Werner und Chefscout Jürgen Jung arbeiten im Hintergrund“, sagt Giannikis – und betont vielsagend: „Kein Trainer wehrt sich gegen Verstärkungen.“

Am Samstag wartet zunächst die hohe Hürde Aue. Dass die Sechzger auch bei Favoriten glänzen können, beweisen die Siege in Bielefeld (1:0) und Sandhausen (3:0). Doch bleiben die Punkte nun auch in der Fremde aus, droht die ohnehin schon frostige Stimmung vor Weihnachten endgültig zu kippen – und die Abstiegsränge kommen bedrohlich näher.
MARCO BLANCO UCLES

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