Ein gewohntes Bild in Hochfilzen: Franziska Preuß feiert im gelben Trikot auf dem Podium. © Hochmuth/AFP
Setzt im Stehendschießen neue Maßstäbe: Martin Uldal. © Hochmuth/AFP
Le Grand-Bornand – Die norwegischen Biathleten haben nach Ole Einar Björndalen und Johannes Thingnes Bö vielleicht schon den nächsten Dominator in ihren Reihen. Der 23-jährige Martin Uldal stellte mit einer Aktion alles in den Schatten, was die Biathlon-Szene auf der Weltcup-Bühne gesehen hatte. Beim letzten Stehendschießen in der Verfolgung am vergangenen Samstag in Hochfilzen setzte das Schießwunder den ersten Schuss bereits nach 5,5 Sekunden, beendete seine Serie nach knapp 13 Sekunden und verschoss dabei nur den letzten Versuch. Zum Vergleich: Eine Serie in unter 20 Sekunden gilt in der Welt-Elite als schnell.
Vor etwa einem Jahr sagte der deutsche Ex-Biathlet Erik Lesser, der seit 2023 als Schießtrainer arbeitet, noch: „Ich habe die Vision, dass nach acht Sekunden der erste Schuss abgesetzt wird.“ Uldal bringt das Gewehr nicht mit einem langen Griff über den Kopf in den Anschlag, sondern zieht es unter seinem linken Arm durch und kann währenddessen schon das Magazin einführen. Das trainiert er bereits seit über zwei Jahren, einen Nachahmer auf Weltcup-Niveau hat er allerdings nur in Sturla Holm Laegreid gefunden.
„Ich finds nicht krass, dass er das macht, sondern wann er es macht“, so Lesser im Podcast „Das Biathlon Doppelzimmer“. Dabei weist er auf die schnelle Runde, die Uldal zusammen mit dem schwedischen Topläufer Sebastian Samuelsson vor dem letzte Schießen absolvierte. „Beim vierten Schießen – in einem Weltcup – setzt er da so ein Ding hin. Bei Puls 170, bei eigentlich voller Ausbelastung“, kommt der Verfolgungsweltmeister von 2015 kaum mehr aus dem Staunen heraus.
Uldal erreichte in seinem erst zweiten Weltcup-Wochenende (nach Oslo 2022) einen fünften (Verfolgung) und einen siebten Platz (Sprint). Dass mit dem Norweger auch an diesem Donnerstag (14.20 Uhr/ARD und Eurosport) auch in Frankreich zu rechnen ist, zeigt auch seine enorme Laufstärke. In Hochfilzen konnte er beide Male mit Superstar Bö mithalten.
ALEXANDER VORMSTEIN