Turnkönigin: Karin-Büttner Janz. © IMAGO
Hildegard Falck-Kimmich, Gold über 800 m. © Imago
Hob ab zum Olympiasieg: Die damals 16-jährige Ulrike Nasse-Meyfarth. © Imago
Heldinnen: Ulrike Nasse-Meyfarth, Renate Stecher und Heide Ecker-Rosendahl (v.l.). © IMAGO
Gold im Weitsprung: Heide Ecker-Rosendahl räumte auch im Fünfkampf und mit der Sprintstaffel ab. © Imago
München – Mit seiner offenen und herzlichen Art hatte der 1,76 Meter große Leichtathlet in seinem Leben viele Freunde. Nun trauert der deutsche Sport um ihn: Klaus Wolfermann ist in der Nacht zu Mittwoch im Alter von 78 Jahren gestorben. „Sein Tod bestürzt mich und macht mich sehr traurig“, sagt Ulrike Nasse-Meyfarth zu unserer Zeitung. Die Hochspringerin holte wie Speerwerfer Wolfermann bei den Sommerspielen 1972 in München die Goldmedaille.
Großes Herz für alle
„Wir haben Klaus und seine Frau Friederike noch im Sommer im Rahmen seines karitativen Golfturniers getroffen. Da war er noch gut drauf und hat Witze gemacht. Mit ihm hat man immer viel Spaß gehabt. Er hinterlässt eine große Lücke.“ Auch Bayerns Ministerpräsident Dr. Markus Söder verneigt sich. „Bayern trauert um einen wahren König des Sports“, würdigt Söder Wolfermann. Er habe mit seiner Leistung die ganze Welt beeindruckt. „Sein Leben war der Sport, aber sein Wirken reichte weit über Titel und Rekorde hinaus. Klaus Wolfermann hatte vor allem ein großes Herz für seine Mitmenschen. Er engagierte sich jahrzehntelang im sozialen Bereich für Kinder und Kranke und unterstützte andere Sportler, denen es nicht so gut ging, etwa als Sonderbotschafter für die Special Olympics. Klaus Wolfermann war ein großer Sportsmann, ein Mutmacher und ein echtes Vorbild.“ Die Zeitzeugen von 1972 werden weniger, doch es sind noch etliche präsent von den Gold-Dekorierten. Ein Überblick:
Ulrike Nasse-Meyfarth: Unvergessen: Als die Hochspringerin aus Köln in München zum Olympiasieg abhebt, ist sie erst 16 Jahre und drei Monate alt – ein Rekord, den sie bis heute hält. Zwischen 1999 und 2022 war sie für den TSV Bayer 04 Leverkusen in der Talentsichtung, der Fortbildung von Lehrkräften und dem Training von Leichtathletik-Schülerinnen und -Schülern tätig. Sie engagiert sich für krebskranke und organkranke Kinder und unterstützt seit 2016 die Hospizarbeit für kranke Kinder. Nasse-Meyfarth wurde zwischen 1981 und 1984 viermal in Folge zur Sportlerin des Jahres gewählt. 2011 wurde sie in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen.
Heide Ecker-Rosendahl:
Im Weitsprung gewann sie nach sechs Tagen die erste Goldmedaille für die westdeutsche Mannschaft. Zwei Tage später gewann sie Silber im Fünfkampf und acht Tage später verteidigte sie als Schlussläuferin der Sprintstaffel ihren Vorsprung gegen die DDR-Weltrekordlerin und 100-Meter-Olympiasiegerin Renate Stecher und holte in Weltrekordzeit (42,81 sec) überraschend Gold. Nach ihrer Karriere leitete die Diplomsportlehrerin ein ernährungswissenschaftliches Unternehmen und betrieb mehrere Sportstudios. Heute engagiert sich die 70-Jährige ehrenamtlich.
Hildegard Falck-Kimmich:
Es war der „goldene Sonntag“ von München. „Gemeinsam“ mit Klaus Wolfermann und Bernd Kannenberg (über 50 km Gehen) holte die 800-Meter-Läuferin die am 3. September 1972 drei Goldmedaillen für die BRD. Nach ihrer Karriere lebte sie lange in Fürstenfeldbruck, wo ihr Mann beruflich tätig war, ehe die Kimmichs in den Norden zurückzogen.
Renate Stecher: Sprintete 1972 für die DDR über 100 und 200 Meter zu Gold. Nach Abschluss ihres Sport- und Biologiestudiums unterrichtete sie als Diplom-Sportlehrerin an der Universität Jena. Nach der Wende arbeitete Stecher ab 1990 für das Studentenwerk Thüringen und später für die Anti-Doping-Kommission des Deutschen Leichtathletik-Verbandes.
Karin Büttner-Janz: Die Turnkönigin der DDR war 1972 die erfolgreichste deutsche Sportlerin. Mit zwei Goldmedaillen im Pferdsprung und am Stufenbarren ist sie die einzige deutsche Doppelolympiasiegerin im Turnen. Beendete nach den Spielen ihre Karriere. Arbeitete anschließend als habilitierte Medizinerin, entwickelte mit einem Kollegen die erste künstliche Bandscheibe und war parallel Chefärztin an zwei Berliner Kliniken.
ZUSAMMENFASSUNG: JO