Leitwolf Wolf – und wer noch?

von Redaktion

Erste Trikot-Zeremonie im SAP Garden – Eine Nummer zieht um

Dopingvergehen statt Karriere: Yannic Seidenberg. © Imago

Die Rührung beim letzten Spiel: Michael Wolf. © Imago

Sein Trikot hing in der alten Halle: Niklas Hede. © imago

Stand für den Weg Bayernliga – DEL: Joey Vollmer. © imago

München – Als der EHC Red Bull München kürzlich verkündete, seinen ehemaligen Spieler Michael Wolf mit einer „Retired number“-Zeremonie zu ehren, mag mancher gestutzt haben angesichts des Termins: Warum zum Spiel gegen die Iserlohn Roosters am 22. Dezember? Das ist kein Schlagerspiel, der Gegner kämpft um den Klassenerhalt. Aber nach ein paar Sekunden geht das Licht auf: natürlich Iserlohn. Besser könnte es nicht passen. Denn Iserlohn war der andere Club in Michael Wolfs Eishockeyspielerleben. Im Sauerland hielt er sich sogar wesentlich länger auf: Die Roosters gewinnen gegen den EHC mit 9:5 Jahren.

2014 ging er nach München – und es ist Teil von Michi Wolfs Lebensleistung, in Iserlohn so beliebt gewesen zu sein, dass man ihm den Wechsel nicht übel nahm. Man verstand das Motiv. Es ging nicht um mehr Geld. Wolf hatte bei den Roosters prächtig verdient, der Verein streckte sich, um ihn und Robert Hock zu halten. Hock, heute 51 und in den USA lebend, war der geniale Passgeber für den Knipser Wolf. Bis ihn vor wenigen Wochen Daniel Pietta (Ingolstadt) überbot, war Hock der Assist-Führende der DEL-Historie. 2013 verließ Hock Iserlohn, Wolf blieb noch eine Saison.

Mit Iserlohn war Wolf lediglich dreimal kurz in den Playoffs, auf einen Titel hatte er keine Chance. Diese Perspektive konnte aber München nach der Übernahme durch Red Bull bieten. Wolf wurde sofort zum Kapitän ernannt, doch sein erstes Jahr geriet durch ein schnelles Viertelfinal-Aus gegen Wolfsburg zur Enttäuschung. Da gab es auch Zweifel: Ist Wolf ein Anführer? Er ist keiner, der laut und raumgreifend auftritt. „Leading by example“, nannte EHC-Manager Christian Winkler Wolfs Stil. Einfach vorangehen, ohne große Worte machen. Der Leit-Wolf.

Ab der zweiten Saison lief es: Die Münchner wurden 2016, 17 und 18 Meister. 2019 kündigte Wolf seinen Rücktritt an – und er war aufrichtig gerührt über das, was er nach seinem letzten Spiel und der entscheidenden Niederlage in der DEL-Finalserie in Mannheim erlebte. Bevor die Adler die Trophäe ausgehändigt bekamen, wurde Michael Wolf verabschiedet. Alle Mannheimer erhoben sich ihm zu Ehren. Tolle Karriere: Erst mit 24 hatte es der in Österreich geborene und in Füssen aufgewachsene Wolf in die DEL geschafft, war aber vorübergehend ihr führender Torschütze (337) geworden. Für die späten Erfolge mit München gab Wolf die Nationalmannschaft (Rücktritt 2015) und die geliebte Sommervariante Inline-Hockey bei den Wanderers Germering auf.

Christian Winkler wollte Wolf nach der Spielerzeit in der Organisation halten, als rechte Hand, als Ansprechpartner für junge Spieler, als Scout. Doch seit der Corona-Saison kümmert er sich ums Schuhgeschäft der Familie in Füssen.

Die 13, die Wolf trug, kommt am Samstag nun unters Dach der neuen Halle. Nach dem Umzug vom Olympia-Eissportzentrum in den SAP Garden waren zunächst nur die vier Meisterbanner aufgehängt worden. Trikots indes keine. Weder das von Joey Vollmer mit der 29 noch Niklas Hedes 10. Der EHC verspricht aber: Wenn Wolfs 13 aufgezogen wird, wird Vollmers 29 schon angebracht sein.

Vollmer (44) machte als Torwart von 2002 bis 11 den Aufstieg vom damaligen HC 98 von der Bayernliga bis in die DEL mit. Seine Nummer wird nicht mehr vergeben. Bei Hede ist das nicht der Fall: Seine 10 war nie gesperrt. Der Finne hatte lediglich zwei Jahre für den EHC gespielt (2008 bis 10), er war halt der Aufstiegsheld, mit der Trikot-Aktion würdigte der EHC die lange Karriere des damals fast 41-Jährigen, der seit 2017 für den Nachwuchs bei Red Bull arbeitet und diese Saison auch schon als Co-Trainer des DEL-Teams einsprang.

Michi Wolf (43) ist der erste Vertreter der Red-Bull-Ära, der eine Trikot-Zeremonie bekommt. Zukünftige Kandidaten könnten sein: Yasin Ehliz (seit 2018), dem nur noch ein Punkt zu Platz zwei in der ewigen Münchner Scorerwertung fehlt, Maxi Kastner (noch drei Spiele, bis er Daryl Boyle als EHCler mit den meisten Einsätzen ablöst), Konrad Abeltshauser (seit 2015) und Patrick Hager (seit 2017). In allen Rankings weit oben steht Yannic Seidenberg (2013 bis 22), doch seine Karriere endete mit einem Dopingverstoß und einer Sperre. Sonst hätte seine 36 beste Chancen auf Unvergänglichkeit gehabt.
GÜNTER KLEIN

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