ZUM TAGE

Toni Kroos, der Anti-Matthäus auf Zeit

von Redaktion

Der Vergleich, der gezogen wurde, als sich Toni Kroos bei Real Madrid zu einem der erfolgreichsten und besten deutschen Fußballer aller Zeiten entwickelte, war nicht selten der mit Lothar Matthäus. Nach ein paar Jahren in München hatte Matthäus – der damals noch als Kraftpaket und Tempodribbler auf der Acht spielte, nicht wie in seinen späten Jahren als Libero – sein Glück im Ausland gesucht. Er wechselte nach Italien, zu Inter Mailand – und wurde zur Legende. In Mailand gewann er den Scudetto, wurde Weltfußballer und bekam den Ballon d’Or verliehen. Bis heute ist er der einzige deutsche Fußballer, der diese Auszeichnungen gewonnen hat. Matthäus war einer der besten deutschen Fußballer jemals. Interessant ist aber, dass das für viele Jüngere beinahe unvorstellbar ist.

Für die ist Matthäus häufig dieser auffällig schlecht Englisch sprechende Immer-und-überall-Experte, der nicht ungern auch mal ein Sprichwort verstammelt („Wäre, wäre – Fahrradkette“). Sicherlich, seine Analysen sind mittlerweile fachlicher als früher, bieten Mehrwert, sind kultig und überhaupt – einer, der das Spiel so gut selbst gespielt hat, versteht es bestimmt auch besser als diejenigen, die immer nur von außen reinbrüllen. Trotzdem zeigt das Beispiel von Matthäus durchaus, wie sich die öffentliche Wahrnehmung einer Person durch mediale Überpräsenz zu Ungunsten einer Person entwickeln kann.

Die Gefahr der medialen Überpräsenz

Und da wären wir dann wieder bei Toni Kroos. Vielleicht ist seine Entscheidung, sich für einige Monate völlig aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen, die einzige Möglichkeit, wieder so einigermaßen die Kontrolle über diese Mechanismen zu gewinnen. Es ist jedenfalls der Versuch, das zu tun.

„Ich bin seit Februar in der Öffentlichkeit für mich gefühlt dauerpräsent“, sagte er in seinem Podcast „Einfach mal Luppen“, den sein Bruder Felix nun erst mal alleine weiterführt. „Das war jetzt einfach dauerhaft so. Deswegen habe ich auch Einladungen und Anfragen für die nächsten Monate abgesagt, weil es dann einfach irgendwann mal gut ist. Deswegen habe ich für mich entschieden, dass ich jetzt einfach mal die ersten drei Monate des kommenden Jahres nichts mache.“ Ein Anti-Matthäus also. Fragt sich, wie lang.

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