Marc Bernreuther und Jonas Deichmann. © A. Frank Schmidt
Das erste Element im Triathlon: Das Trainings-Duo beim Schwimmen.
Ein kleines „Läufchen“: Jonas Deichmann und Reporter Mathias Müller im Olympiapark. © Achim Frank Schmidt (3)
München – Wenn jemand wissen muss, wie es sich anfühlt, eine Triathlon-Langdistanz zu absolvieren, dann Jonas Deichmann. 120 Tage am Stück machte der Extremsportler vergangenen Sommer nichts anderes. Nach dem Aufstehen 3,8 km Schwimmen, dann 180 km auf dem Rad und zum Tagesabschluss ein Marathon (42,2 km). Auch ich habe mir einen Ironman vorgenommen, am 5. Juli bei der Challenge Roth.
„Dich erwarten viele Höhen und Tiefen und mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendwann ein Punkt, an dem es schwer wird. Aber danach wird wieder ein Hoch kommen, du musst nur daran glauben“, sagt der 37-Jährige, als unsere Zeitung ihn Morgens um 8.30 Uhr zum Training im Olympiapark trifft. Bevor der Möchtegern-Ironman und die Langdistanz-Legende für eine Stunde ins Becken im Olympiabad steigen, klären sich gleich mal die Fronten. Während ich über den Winter versuche, mich in Form zu bringen, ist Deichmann „zum Abtrainieren“ da. Was in seinem Fall bedeutet: rund 30 bis 40 Stunden pro Woche nach „Lust und Laune“ und ohne festen Plan.
Da kann ich mit meinen knapp zehn Stunden nicht annähernd mithalten. Aber im Gegensatz zu Deichmann, der bei seinem Projekt pro Woche fast 100 Stunden geschwitzt hat, bildet bei mir das eine Rennen den Höhepunkt. Und während Deichmann die Distanz eher gemütlichen in jeweils rund 15 Stunden anging, will ich alles heraushauen, was im Tank ist. Für den Abenteurer kein erstrebenswertes Ziel. „Ich wäre nie so schnell wie die allerbesten Profis“, sagt Deichmann. „Aber für eine Topzeit müsste ich trotzdem einige Monate lang Intervalltraining machen, darin sehe ich keinen Sinn.“
Der Langdistanz bleibt der Weltenbummler auch 2025 treu, einmal pro Monat plant er einen Einsatz – mit verschiedenen Herausforderungen (Höhenmeter, Uhrzeit, Untergrund…). Spezielle Vorbereitung ist dafür nicht nötig, das geht „aus der Hosentasche“.
Zudem startet er mit seinem bisherigen Content-Chef Marc Berneuther (32), aka „Edelsepp“ (angelehnt an Radprofi Sepp Kuss), ein Challenge-Format. Die beiden stellen sich jeden Monat kuriose Abenteuer-, Outdoor- und Extremsport-Herausforderungen. Einzige Regel: es muss in 48 Stunden zu schaffen sein. Bernreuther muss als erste Aufgabe zwei Tage zu den Gebirgsjägern nach Berchtesgaden. Ihn erwartet eine Hardcore-Skitour mit 40 kg Gepäck.
„Ich habe dem Kommandanten gesagt: Das, was ihr mit euren härtesten Rekruten als Aufnahmeprüfung macht, das hätte ich gerne für Marc“, erzählt Deichmann, der Ende Dezember in Richtung Sri Lanka abhob. Dort muss er am 1. Januar innerhalb von 48 Stunden die 612 Kilometer vom nördlichsten bis zum südlichsten Punkt überwinden – und das ohne Geld.
Beim gemeinsamen Lauf durch den Park sticheln sich die beiden Kontrahenten jedenfalls immer wieder an. Das „Läufchen“, wie Deichmann gerne sagt, ist zum Glück aber harmlos. Nach knapp einer Stunde schlüpfen wir wieder aus den Schuhen.
Noch ein letzter Tipp für mich? „Nie zu schnell angehen. Ich bin bei der Challenge Roth auf dem Rad gleich am Anfang von Leuten überholt worden, denen man schon angesehen hat, dass sie das nie im Leben durchhalten. Auf den letzten zehn Kilometern des Marathons sind sie dann nur noch gegangen“, erzählt der Rekordhalter. „Und, ganz wichtig: die Ernährungsstrategie testen.“
Damit fange ich gleich an, denn mir knurrt der Magen. Also schnell ins Auto und ab in die Redaktion. Immerhin: Auch Deichmann spricht vom Mittagessen. Für seinen Weg zurück ins Hotel braucht er aber – im Gegensatz zu mir – keine Motorunterstützung. „Es sind nur rund eineinhalb Kilometer“, so Deichmann. „Die laufe ich.“
Mathias MülleR