Wird sie die erste Präsidentin des DFB? Silke Sinning hat bislang wenig Öffentlichkeit. © dpa
Frankfurt – Der Begriff „großer Tanker“ fällt bei Silke Sinning immer wieder, wenn sie vom Deutschen Fußball-Bund spricht. Und sie sagt lächelnd: „Mit mir hat ja keiner gerechnet.“ Mit einem Knall war die Sportwissenschaftlerin vor zweieinhalb Jahre ins Präsidium eingezogen. Seit knapp drei Monaten ist sie in Hessen die erste Landesverbandspräsidentin in der über 100-jährigen Geschichte des DFB. Mehr Frauen an verantwortlichen Positionen – diese Forderung kennt Sinning nur zu gut. Aber wie funktioniert das in der Praxis?
Es gebe aktuell noch wenige Frauen, die sich im Fußball engagieren – „aber es werden immer mehr“ sagt die 55-Jährige. „Man findet sie in den Vereinen, im Vorstandsbereich, auch als Trainerin oder als Schiedsrichterin. Aber tatsächlich gibt es da noch Nachholbedarf.“ Man wachse nur langsam in die Strukturen rein, so ihre Erfahrung, und müsse dann irgendwann den Mut finden und deutlich machen: „Ja, das Amt traue ich mir zu.“
Genau das tat die frühere Fußballerin im März 2022 – und kegelte beim DFB-Bundestag völlig überraschend Vize Rainer Koch aus dem Präsidium. Der Bayer war in turbulenten Zeiten dreimal sogar kommissarischer Verbandschef. Seither gilt Sinning als die Frau, die Rainer Koch stürzte. „Ich würde mal so sagen: Wir gehen uns freundlich aus dem Weg“, sagt sie heute über den ehemaligen DFB-Dauerfunktionär.
Im 15-köpfigen Präsidium ist die Professorin der Technischen Universität Kaiserslautern-Landau eine von drei Frauen. Da damals das Aufgabengebiet von Celia Sasic (Vizepräsidentin für Gleichstellung und Diversität) und Sabine Mammitzsch (Frauen- und Mädchenfußball) schnell feststand, musste sich Sinning ihre Zuständigkeit quasi erst suchen.
Sinning, Mutter eine Tochter, wurde zuständig für Freizeit- und Breitenfußball, Gesundheitssport, Bildung, Wissenschaft, e-Football, Kinder- und Jugendschutz und Prävention sexualisierter Gewalt. Ein weites Feld. Auch Walking Football, eine Variante für ältere oder mobilitätseingeschränkte Menschen, wo man nur gehen darf, versucht sie voranzubringen.
In der Öffentlichkeit steht Sinning mit all dem nicht. Nach außen hin vertrtt den DFB vor allem Präsident Bernd Neuendorf. Bei den Frauen sind es Ex-Nationalspielerin Sasic, die mit Philipp Lahm durch die Lande zog, um für die Männer-EM zu werben, oder Hauptamtliche wie Nia Künzer als Direktorin Frauenfußball und Generalsekretärin Heike Ullrich.
Natürlich will der Verband „mehr Frauen für das Berufsfeld Fußball begeistern“. Ob irgendwann mal eine Frau den DFB anführt? „Ich glaube, es gibt Frauen, die das Amt auch übernehmen könnten“, sagt Sinning. „In Norwegen hat das auch funktioniert.“ Die dortige Fußball-Präsidentin Lise Klaveness machte zuletzt vor der Abstimmung zur Männer-WM 2034 in Saudi-Arabien auf sich aufmerksam: Als einziger nationaler Verband kündigten die Skandinavier an, sich der Stimme zu enthalten.
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