Die Martinovic-Watschn

von Redaktion

Ex-Geschäftsführer Pfeifer und RWE schnappen 1860 Wunsch-Stürmer weg

Konkurrenten: Pfeifer (r.) und Werner. © SIMON/Imago

München – Langweilige Winterpause? Nicht beim TSV 1860. Die lange Vereinshistorie der Löwen ist um eine kuriose Transfer-Posse reicher. Das Problem dabei: am Ende des verlängerten Dreikönigs-Wochenendes stehen die Sechzger mit leeren Händen da. Wunschstürmer Dominik Martinovic gab nicht etwa 1860-Geschäftsführer Christian Werner den finalen Handschlag für eine Vertragsunterschrift, sondern ausgerechnet dessen Vorgänger Marc-Nicolai Pfeifer, der mittlerweile bei Ligakonkurrent Rot-Weiss Essen angestellt ist. Was für eine deftige Watschn für die Löwen.

Noch am Freitag sahen die Sechzger wie der sichere Sieger im Transferrennen um den 27-jährigen Stürmer aus. Der kroatische Erstligist Slaven Belupo verkündete die Vertragsauflösung mit Martinovic und schrieb dazu, dass der Angreifer zum „bayerischen Spitzenclub 1860“ wechseln würde. Nach Informationen unserer Zeitung sei man bei den Sechzgern verwundert über die Verkündung der Kroaten gewesen. Kurze Zeit später wurde die Passage aus der Pressemitteilung wieder gelöscht. Auf der Zielgeraden des Transfers grätschten Pfeifer und RWE – vier Plätze und sieben Punkte hinter den Löwen in der Tabelle – dazwischen. „Dominik Martinovic ist ein guter Spieler, der sich letztlich für Rot-Weiss Essen entschieden hat“, kommentierte Werner knapp.

Werner muss sich nach dem Martinovic-Korb neu auf die Suche nach einem Angreifer machen, es gibt Alternativpläne in der Geschäftsführer-Schublade – nicht nur im Angriff. Auch in der Defensive soll etwas passieren. Das dürfte im Hinblick auf den Rückrundenstart in Saarbrücken (18. Januar) nötig sein, plagen die Löwen doch arge Verletzungsprobleme im Abwehrverbund. „Bei Jesper Verlaat, Tim Danhof und Raphael Schifferl wird es noch dauern. Sie haben in dieser Woche einen Kontrolltermin, danach schauen wir, wie lange sie noch brauchen“, erklärt 1860-Coach Argirios Giannikis. Auch Soichiro Kozuki fehlte im Mannschaftstraining, trainierte individuell. Der Japaner muss in Saarbrücken ohnehin seine Rotsperre aus dem Verl-Debakel (0:4) absitzen, darf erst wieder gegen Stuttgart II (25. Januar) eingesetzt werden.

Besonders in der Innenverteidigung ist die Lage bei den Sechzgern äußerst angespannt. Schifferl wird noch bis ins Frühjahr hinein ausfallen. Kapitän Verlaat ließ sich in den letzten Tagen zwar wieder auf dem Trainingsplatz blicken, drehte allerdings nur seine Runden in Laufschuhen.

Trainer Giannikis gibt sich diplomatisch ob der fehlenden Neuzugänge zum Trainingsauftakt, erklärte zuletzt: „Ich bin nicht enttäuscht. Kein Trainer sträubt sich gegen Verstärkungen, Christian Werner und sein Team arbeiten fleißig.“ Worte, die zu einem Zeitpunkt fielen, als die Löwen sich bei Martinovic noch auf der Siegerstraße wähnten,
MARCO BLANCO UCLES

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