Tschofenig krönt ÖSV-Märchen

von Redaktion

„Brutaler Krimi“ – Youngster gewinnt Vierschanzentournee nach Finaldrama

Bist narrisch! ÖSV-Youngster Daniel Tschofenig nach seinem hochdramatischen Tournee-Sieg in letzter Minute. © afp

Bischofshofen – Youngster Daniel Tschofenig hat in einem dramatischen Skisprung-Finale seinen Teamkollegen Stefan Kraft abgefangen und einen spektakulären Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee geschafft. Der 22 Jahre alte Österreicher (136 und 140,5 Meter) rückte bei der nächsten deutschen Schanzen-Enttäuschung im letzten der insgesamt acht Durchgänge von Gesamtrang drei noch an die Spitze.

Kraft, der als Führender der Tournee-Wertung windbedingt minutenlang auf den letzten Versuch warten musste, fiel nach Sprüngen auf 136 und 137,5 Meter auf Platz drei zurück. Rang zwei in Tageswertung und Gesamtklassement ging an Jan Hörl. Zwischen Tschofenig und Hörl lagen am Ende nur 1,4 Punkte – das ist weniger als ein Meter Differenz.

Der hochklassige Wettbewerb auf der Paul-Außerleitner-Schanze wurde zu einem „brutalen Krimi“, wie Kraft schon zur Halbzeit voraussagte. Er selbst war am Ende der Verlierer, der im Auslauf kaum zu trösten war. Es war die knappste und spannendste Tournee-Entscheidung seit 19 Jahren, als der Finne Janne Ahonen und Jakub Janda aus Tschechien punktgleich waren.

Für die Deutschen geht das quälende Warten auf den ersten Tournee-Gesamtsieg seit Sven Hannawald vor 23 Jahren mindestens bis zum Januar 2026 weiter. Andreas Wellinger (133 und 135,5 Meter) sprang vor 14.300 Zuschauern im Pongau auf Platz neun. Für Pius Paschke (12.), Philipp Raimund (15.) und Karl Geiger (23.) reichte es nicht zu einem Top-Ten-Platz.

Die 73. Ausgabe des Traditionsevents endete damit so, wie sie in Oberstdorf begonnen hatte. Die Deutschen wurden klar geschlagen, die geschlossen starken Österreicher dominierten auch zum Abschluss. Kraft und Co. komplettierten eine dominante Tournee mit vier Siegen und elf von zwölf möglichen Podestplätzen. Dass eine Nation das Top-Trio stellt, gab es zuvor erst dreimal: 1955 die Finnen, 1975 und 2012 jeweils die Österreicher.

„Wir fühlen uns wie kleine Superstars“, erzählte Kraft und berichtete mit einem breiten Lächeln von spontanen Fotoshootings mit Fans, die die ÖSV-Überflieger feierten. So euphorisch sah es auch auf der finalen Tournee-Station aus. Ab dem Vormittag wurde im Ortskern gefeiert. Die fröhlichen Fans trällerten „Griechischer Wein“ und tranken ganz viel Salzburger Bier.

Der Co-Gastgeber, seit eh und je eine Skisprung-Nation, hatte nach jahrelanger Dominanz mit Gregor Schlierenzauer und Co. satte 3653 Tage auf den goldenen Adler warten müssen. Im Geschichtsbuch verewigt hat sich auch Andreas Widhölzl, der nach seinem Tournee-Sieg als Sportler 1999 nun auch als Trainer die Tournee gewonnen hat – diesen besonderen Tournee-Doppelpack gab es nach ORF-Angaben noch nie. „Als Trainer ist es schwieriger“, befand Widhölzl.

Mit einem ganz anderen Gefühl tritt das deutsche Team die kurze Heimreise an. Dabei waren Paschke und Co. nach einem furiosen Saisonstart hoffnungsvoll in das erste Großereignis des Winters gestartet. Am Ende blieb Paschkes vierter Platz in Oberstdorf das beste Einzelergebnis.
DPA

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