Im Schatten der Männer

von Redaktion

Leere Ränge und fehlendes Flutlicht – Die Herausforderungen des Frauen-Skispringens

Ein fast aussichtsloses Ziel: Katharina Schmid will an einer Vierschanzentournee teilnehmen. © IMAGO

Bischofshofen/Villach – Zehntausende Zuschauer bei der Vierschanzentournee – viele leere Ränge bei der Two-Nights-Tour. Der Kontrast hätte deutlicher kaum sein können. Während die Männer in den stimmungsvollen Stadien von Innsbruck und Bischofshofen vor Zehntausenden Fans ihre Skisprung-Partys feierten, ging es für die Frauen zurück in den Alltag – und der ist nach wie vor sehr trist. Kleine Schanze in Villach, Weiten von maximal 100 Metern und eine Zuschauerzahl, die sich in der Pause zwischen erstem und zweitem Durchgang per Handzählung ermitteln ließe.

Dreifach-Weltmeisterin Katharina Schmid und ihre Kolleginnen tragen seit Jahren lautstark und energisch ihren Wunsch nach einer Vierschanzentournee für Frauen nach draußen. Inzwischen gibt es immerhin die Two-Nights-Tour mit einem Springen in Garmisch-Partenkirchen an Silvester und einem Wettbewerb in Oberstdorf an Neujahr. Das große Problem: Mehr als über den Sprungsport ist in den vergangenen Tagen darüber diskutiert und berichtet worden, dass Selina Freitag als Quali-Siegerin von Garmisch ein Shampoo und vier Handtücher erhalten hat. Und welch fatales Signal davon ausgeht.

Weltklasse-Athlet Stefan Kraft reagierte gelassen auf die Posse und mahnte zur Geduld. „Das braucht einfach nur Zeit. Ich glaube, es muss nicht alles von heute auf morgen sein. Das Geld muss irgendwo herkommen, das kann man auch nicht überall herzaubern“, sagte Kraft. Der 31 Jahre alte Österreicher sieht die Springerinnen auf einem guten Weg und verwies darauf, dass es auch bei den Männern lange Zeit keine Prämien für den Sieger der Qualifikation gegeben habe.

Und das Traditionsevent Tournee, das bei den Männern schon 73 Ausgaben hinter sich hat und bei den Frauen längst eingeführt sein sollte? Lässt noch immer auf sich warten. Weil am Bergisel in Innsbruck das Flutlicht fehlt, sieht es auch für den kommenden Winter eher düster aus.

An Silvester zeigte sich ein weiteres Problem: Es scheint derzeit noch das öffentliche Interesse zu fehlen. Eine Stunde nachdem 10 000 Fans die Qualifikation der Männer gesehen hatten, waren beim Springen der Frauen nur noch 3000 Menschen an der Großen Olympiaschanze. Und das, obwohl ein Verbleib in dem Stadion möglich war und Zuschauer sogar mit einer Happy Hour für Getränke gelockt wurden.
DPA

Artikel 1 von 11